Missglückter Roman, 5. Kapitel, "Kindernonnen und Kindermönche" (19. Fortsetzung)

Veröffentlicht auf von anna

Eigentlich müssten wir ihr ein Geschenk zurücklassen“, meinte Hanna. Aber was? Wir diskutierten lange. Wir glaubten ja, das Zeitproblem wäre gelöst. Was sollte noch passieren? Gleich hätten wir das sechzehnte Jahrhundert in Richtung Startjahr verlassen, und alle Geschichte nähme einen neuen Lauf. Bewaffnete hatten wir auf dem ganzen Rückweg nicht bemerkt. Katharina würde ich vermissen. Ein paar unserer von den Strahlern getrennten Kreuze stellten wir dort auf, wo wir die Asche unserer Kameraden vermuteten. Längst war die Stelle nicht mehr zu erkennen.

Maria hatte die Idee, eines ihrer langen Kleider an einen Baum zu hängen. Wir verlachten sie. Wie musste das aussehen, wenn die arme Wirtstochter plötzlich in einem solchen Teufelskleid auftauchte! Immerhin gab es Märchen, die einen solchen Stoff benutzten.

Ihr seid gute Zauberer?“

Katharina stand vor uns wie ein Gespenst. Sie hatte uns offensichtlich schon eine Weile beobachtet. Was sollten wir ihr antworten? Was konnte sie verstehen? Mehr als ihre Zeitgenossen, das war klar. Aber die Wahrheit?

Wir fliegen wieder fort, Katharina“, erklärte ich.

Damit? Damit seid ihr gekommen, ich hab mir das gedacht.“

Sie deutete auf unser Zeitschiff. Wir waren platt. Nur weil Katharina den Weg kannte, den wir gekommen waren, und dieses Ding vorher nicht da gewesen war, hatte sie sich das Weitere überlegt! In anderen Zeiten hätte etwas Großes aus ihr werden können. Egal. Es war Zeit zum Verabschieden. Sie musste die Lichtung verlassen haben, bevor wir uns auf die Reise machen konnten. Doch sie hatte uns bereits in das Zeitschiff reingehen und wieder rauskommen sehen.

Ist das ein fliegendes Haus?“ fragte sie, und schon kletterte sie hinter Siegrid her durch die geöffnete Luke. Bevor ich es verhindern konnte, ließ Katharina ihren Blick über die Schalensessel und die Schalttafeln gleiten. Ich erwartete, dass die vielen blinkenden Tafeln sie ängstigen würden. Aber wenn das wirklich so gewesen sein sollte, dann ließ sie sich zumindest nichts anmerken.

Nehmt mich bitte mit!“

Dabei sah sie uns abwechselnd an, wie wir, teilweise noch immer als Kindermönche und –nonnen gekleidet, verlegen um sie herum standen. Wir verständigten uns mit Blicken. Warum eigentlich nicht? Wir würden schon einen passenden Raumanzug für sie finden. Ich half ihr beim Anprobieren. Bertas Skap war ihr nur wenig zu groß. Nun stieg ich selbst, in mein noch übergroßes Kleid und den Schutzanzug zu steigen. Vielleicht passten sie mir bald wieder. Im Moment kam ich mir einfach nur komisch vor. Vielleicht fühlte sich Kati einfach nur völlig sicher unter Kindern, die sich wie selbstverständlich vor ihr neu verkleideten.

Ich übernahm den Platz meines Vaters, programmierte Schubumkehr. Wir verfügten noch über 80 Prozent unserer ursprünglichen Speicherenergie. Jetzt sollte alles wie bei der Hinreise ablaufen, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Ich hoffte, dass auf der Erde alles viel schöner sein würde, wenn wir in unserem Startjahr zurück wären, damit die Opfer unseres Ausflugs in die Bauernkriegszeit nicht vergeblich gewesen wären.

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
G
Ach, Anna, lass mich hier bitte nicht mitten in deinem Roman hängen ... Du kannst dir doch denken, dass ich den verfolge, auch wenn du ihn als missglückt bezeichnest...
Antworten