Der Preis der Stunde (2)

Veröffentlicht auf von anna

Das war nicht ganz richtig, denn während die Frau ein neues Laken über die Knetpritsche breitete, hatte Benny in Erwartung der Besitz ergreifenden Hände 60 Euro ausgepackt. „Wie viel bekomme ich jetzt dafür?"

„Ne gute Stunde samt Fusselkratzer. Kannst dir noch aussuchen, was dann umsonst ist: rasieren oder daß ich ´s nackt mache. Eben eins von beiden"

Im Gehen lächelte sie ihn aufmunternd an. „Mach dich in aller Ruhe zurecht. Ich komm gleich.„

Benny erwartete Maja vor der Pritsche. Sie stellte forsch Schüsselchen, Sprayflasche und Rasierer auf den Tisch und zog sich lächelnd bis auf die Strümpfe aus. „Ich hab auf halb drei gestellt.„ Sie betrachtete den Mann. „So geht ´s schlecht. Leg dich hin, damit ich besser ran komme! Was soll denn nun runter: Nur so ein Stück rund rum oder Bauch frei oder alles ab?„

„Na alles!„ Als er Majas Schalk in den Augen bemerkte, verbesserte er sich: „Alles auch wieder nicht. Nur die Fusseln.„

Maja verteilte den Schaum wie einen aufgecremten Lendenschurz. „So. Fertig!„ rief sie, während es auf der Haut brannte und kribbelte.

„Was ist los mit dir? Erzähl mir nichts! Etwas muss los sein!„

„Maja, ich bin fertig. Ich hab abgerechnet. Ich mach Schluß, ich mag nicht mehr. Ich ändere mich nicht, bin kein Politiker, komme hier nicht an. Passe nicht. Werde nicht gebraucht. Von niemandem.„

Die Stimme triefte vor Resignation. Er machte eine Pause. Maja auch. „Du willst doch nicht wirklich Schluß machen mit dir, so ganz?!"

Sie schüttelte zitternd Schaum vom Rasierer in die Schüssel.

„Genau, ja, das will ich ...„ Seine Worte preßte er trotzig hervor. Wenigstens einem Menschen wollte er entgegen schleudern, daß er vernünftig handelte. Er war nicht krank wie einer der Selbstmörder, die Behandlung brauchten. Er hatte seine fest stehenden Gründe. Seine Bilanz wollte er gegen den zarten Mädchenkörper klatschen. „Weißt du, es hat doch alles keinen Sinn. Zum Opaspielen tauge ich nicht. Mich braucht keiner. Nicht einer.„ Sein Gedankenfaden hatte sich verheddert. Vernünftig, wollte er Maja überzeugen, seine Entscheidung war rational vernünftig.

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