Die Fleisch fressenden Bienen (43)
„Und was jetzt?“
„Weitermachen wie bisher. Zumindest nach außen. Ist doch klar. Was den beabsichtigten Mord angeht, so sagen wir die Wahrheit. Die lässt sich auch mit den Mitteln des Instituts nachprüfen. Wieder gibt es keinen Grund für einen Eingriff von draußen.“
„Aber du hast doch gesehen, dass alle unter einer Decke stehen. Mindestens bis zu Yong-Brown hoch. Die werden es wieder probieren.“
Romana strich mir mit so sanften Fingern übers Gesicht, dass ich alles, wirklich alles getan hätte, was sie von mir verlangt hätte. Und sie sah mich an, als hätte ich ihr gerade das Leben gerettet und sie läge noch immer schwach und hilfsbedürftig vor mir – und nicht umgekehrt.
„Das glaube ich nicht. Die andern Neuen in deinem Team schienen nur von Kantus´ Logik so überzeugt, dass es ihnen einfach richtig vorkam. Solange du dich den Bienen nicht entgegenstellst, werden sie nichts gegen dich tun. Zumindest, solange sie nichts merken ...“
„Aber ... wir müssen doch ein Ziel haben, irgendwas, wie es d a n a c h aussehen soll ...“
Huoach! Dieser Blick! Wenn nur in der Art, wie mich Romana ansah nicht immer auch so etwas wie Mütterlichkeit ihrem kleinen Sohn gegenüber mitgeschwungen hätte! Obwohl ich mir sicher war, sie hatte klare Vorstellungen, zögerte sie. Schließlich murmelte sie: „Hast du denn ein Ziel?“
„Ich möchte, dass es wieder wird wie vorher.“
„Wie wie vorher?“
Mit diesen drei Worten hatte sie mich härter getroffen wie mit einem Vortrag von bestechender Brillanz. Am liebsten hätte ich gesagt, wie damals, als mein Vater noch lebte und seine Bienen hatte und also kein Grund bestand, über Gründe für ihr Verschwinden nachzudenken und zu forschen. Aber ich schwieg.
„Kein Danach ist so wie vorher. Selbst dann, wenn es so aussieht. Im günstigsten Fall ist man um eine Erfahrung reicher, welche Klippen man umschiffen muss. Aber meist lackierst du nur die Risse über. Nein. Wie vorher ist immer eine Illusion, solange es Zeit gibt. Aber du kannst versuchen, dass das Anders wenigstens nicht schlechter ist als das Früher. Es kann sein, dass wir in unserem Fall FN 3514 auslöschen müssen. Aber können wir das noch?“
Romana machte eine Pause. Ich konnte nichts dafür. Ich bin nur ein Mann und wenn ich an einen Gott geglaubt hätte, dann hätte ich ihn schon längst um einen Menschen angefleht, dem ich einfach bedingungslos vertrauen durfte. Und es war alles so romantisch und gerade hatte mir dieses zarte Wesen das Leben gerettet und ... Ach, es rutschte mir einfach so raus: „Du meinst, weil es nicht nur diese Bienenmonster hier gibt?“
„Du weißt es also?“
„Es war Zufall. Ich habe bei jemandem ferngesehen und mir den Rest zusammengereimt.“
„Du weißt, dass ich dich dann jetzt schon töten müsste?“
In Glück, dass der Mond nicht meine Gesichtszüge ausleuchten konnte. Ich weiß nur, ich hätte mit Sicherheit keinen intelligenten Eindruck hinterlassen.