Operation Zeitensprung, 16. Kapitel "Das Geiselfest" (Fortsetzung)

Veröffentlicht auf von anna

Wir glauben deshalb, dass wir das Vorhaben eurer Kameraden verhindern müssen, ohne das Leben der gefangenen Kinder zu gefährden. Sonst würden wir ja den Wert eines Menschen gegen den Wert eines anderen abwägen. Aber alle sind doch gleich. Wir hoffen deshalb auf euch. Ihr versteht das Denken dieser für uns Fremden besser als wir.“

Dieser für uns Fremden. Das klang in mir nach. Ich schluckte die Frage herunter, ob er mich in das Uns einbezog, oder ob es nur die Menschen umfasste, die in dieser Welt geboren waren. Die Mauer, die so ein paar Worte auftürmen konnten, war hoch.

Was können wir denn tun?“

Meine Frage kam ohne Überlegung.

Genau das ist unsere Frage: Was werdet ihr tun?“

Ich hatte einmal kurz aller Verantwortung entfliehen wollen. Das durfte offenbar mein Geheimnis bleiben. Aber ganz selbstverständlich war ich wieder Chefin. Der Mann mir gegenüber wechselte seine Rolle. Hatte mich bei seinem ersten Auftreten der Gedanke geängstigt, er wäre der klassische Geheimdienstler mit stahlblauen Augen, einem harten, undurchschaubaren Blick, strenger Kurzhaarfrisur, die wohl im schlimmsten Sturm kaum zerzauste, und einem Jackett, das perfekt geschneidert war, alles glatt und fleckfrei rein, so hatte er jetzt etwas Pastorenhaftes. Mit diesem Gesichtsausdruck, als ob er für alles, selbst das Unverständlichste Verständnis hatte. Zugegeben, korrekt war er, korrekt und ein Mann.

Bedächtig entgegnete ich:

Erst einmal hole ich alle Übrigen aus dem Zeitschiff zusammen. In diesem Kreis werden wir überlegen, was wir tun können.“

Danke. Dürfen Patty und ich als stille Beobachter dabeisitzen?“

Ich betrachtete die beiden Männer endlose Sekunden schweigend. Ich ließ die besorgte Stimme des einen – wie hieß er noch? Josh? - in mir nachklingen. Ich dachte daran, dass sie genug technische Möglichkeiten hatten, unsere Gespräche unbemerkt mitzuhören. Dann nickte ich. Bildete ich mir das nur ein, oder atmete dieser Josh tatsächlich auf?

Dreizehn Menschen saßen danach beieinander. Wir hatten unterschiedliche Erfahrungen mit Siegrids Mannschaft gemacht. Nur Maria und Ernst erfuhren erst jetzt von deren Unternehmen.

... Die wollten also Götter spielen?“ sagte Ernst. „Ich habe Götter noch nie leiden können.“

Das bringt uns nicht weiter. Ob wir Siegrids Verhalten verurteilen, ist nicht die Frage. Sondern wie wir dieses Unternehmen verhindern können.“

Ist doch ganz einfach: Schlafgas. Haben wir doch erprobt.“

Hannes´ Vorschlag begeisterte uns nicht.

Siegrid kennt das, ist darauf vorbereitet. Sie sind jetzt wieder im Schiff. Das ist dicht.“

Anita sprach nur aus, was alle dachten. Eine eigene Idee musste her. Geiselnehmer reagierten um so überreizter und unberechenbarer, je länger sich alles hinzog. Wir kamen zu keinem Ergebnis. In jeder Hinsicht müde zogen wir uns in unsere Betten zurück. Um so unbegreiflicher erschien mir am nächsten Morgen Nuks Gute-Laune-Gesicht.

Josh will gleich mit dir sprechen. Er hat einen Vorschlag.“

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post