Operation Zeitensprung - ein utopischer Roman (28)

Veröffentlicht auf von anna

Als wir in etwa dreihundert Meter Entfernung die Einzelheiten überblickten, fiel mir schlagartig Andreas´ Feuerzeug ein. Hier sah man uns als Abgesandte des Leibhaftigen an! Es schien, als kämen wir diesmal nicht um einen Kampf mit den Bauern herum.

Fritzi entdeckte die leicht geneigte Esche zuerst. Schon hatten wir die Kreuze auf deren Stamm gerichtet. Wie ein Riesenball kullerte die Krone des Baumes auf den Weg zwischen uns und dem kleinen Bauernhaufen. Für beide Seiten war vorerst kein Durchkommen möglich. Für die Dorfbewohner kamen Schreck und Überraschung dazu. Ehe sie sich der neuen Situation bewusst geworden waren, hatten wir uns versteckt. Während sie nach oben und auf die Krone starrten, hatten wir uns ins Unterholz geworfen. Reglos pressten wir uns an den Waldboden und warteten. Fürchteten, die Teufelsjäger könnte schon nach einen Weg suchen, um die Baumkrone zu überwinden. Hörten Stimmen. Verstanden sie nicht, denn sie wurden leiser. Wagten nicht hoch zu schauen, hätte uns das doch verraten. In die eintretende Stille hinein meldete sich ein Kuckuck. Die Dörfler waren wie ein Spuk verschwunden.

Als erstes sprang Hannes auf den Weg. Er riss sich die Kutte vom Leib, wedelte sie ein paar Mal durch die Luft und klatschte sie gegen Rücken, Bauch, Brust und Beine.

Verdammte Viecher! Wie die beißen! Ahhh, ... da auch noch!“

Endlich begriffen wir. Nun konnten wir über die Vorstellung lachen: Ein nackter Kindermönch aus dem 23. Jahrhundert wurde im Jahre 1525 von einem Ameisenvolk angefressen! Wir hüpften um ihn herum wie Hexen ums Osterfeuer. Hannes war der einzige, der das nicht sofort komisch fand.

Wieder ordentlich gekleidet zogen wir weiter. Von nun an mieden wir Begegnungen mit Menschen, auch wenn der Marsch dadurch beschwerlicher wurde und vielleicht einen ganzen Tag länger dauerte. Obwohl wir nun wie als Mönch gekleidete Kobolde hinter Bäumen verschwanden, sobald sich uns jemand näherte, ist keiner von uns mehr auf einem Ameisenhaufen gelandet.

Endlich erreichten wir unsere Lichtung. Dort erwartete uns auf beiden Flügeln unseres Zeitschiffes je ein Krug. Genauer: Auf den Flügeln lagen Kreuze und auf diesen stand die Krüge. Durst hatten wir. Ich trank in tiefen Zügen und dachte an Katharina. Sie hatte also unser Schiff gefunden und uns nicht wie die anderen aus ihrem Dorf für kleine Teufel gehalten.

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