Operation Zeitensprung - ein utopischer Roman (33)

Veröffentlicht auf von anna

Oh, eine sehr unverblümte Aufforderung zur Intimrasur. Da fehlte nur noch das Rasierzeug. Na, Anna, da hat dich ja die Liebe deines Leben gefunden.“

Ernst lächelte mich mitleidig an. Keiner erwartete, dass ich mich, wohin auch immer, von diesem Typen küssen lassen wollte. Aber Hütermann würde sicher bald versuchen, bei mir mehr als nur die Unterlagen für unser Zeitschiff zu bekommen.

Bestimmt wurden wir gefilmt und jede Geste, jedes Wort sofort ausgewertet. Wie auch immer das funktionieren mochte, besser wir redeten nicht über unsere Gefangenschaft oder die realen Fluchthoffnungen. Andererseits mussten wir herausbekommen, in welcher Welt wir gelandet waren. Vielleicht hatten wir genauso wie die WK2-Initiatoren nur den Teufel gegen einen Beelzebub ausgetauscht? Wohin sollten wir denn fliehen?

In der Hausbibliothek fanden sich gebundene Jahrbücher „Zur Geschichte der Familie Hütermann“ Jahrzehnt für Jahrzehnt nebeneinander, 1611 beginnend bis zur Ausgabe 1811 bis 1820. Demnach waren wir irgendwann in den zwanziger Jahren des veränderten neunzehnten Jahrhunderts gelandet. Die Rechenfunktion zum Zeit-Energie-Verhältnis bei unserer Zeitreise hatte nicht gestimmt und unsere Vorstellungen der Menschheitsentwicklung auch nicht. Mit diesem Hütermann waren wir offenbar ausgerechnet einem der traditions- und erfolgreichsten Fabrikanten der durch uns veränderten Welt in die Hände geraten. Also hatte sich doch nur die Geschwindigkeit der Geschichte und ihre wichtigen Orte verändert. Ein anderer Teufel also.

Dad hätte sofort neue Thesen aufgestellt, wie wir weiter verfahren sollten, aber vor allem hätte er Ruhe ausgestrahlt. Die hatten wir bitter nötig.

Siegrid blätterte in dem letzten Band der Familiengeschichte.

Sieh einer an! Hütermanns beherrschen den Markt mit Energieanlagen und sind gerade dabei, auf Informationstechnik umzusteigen. Wer Informationen hat, hat Macht. Hütermann hat Informationen. Klingt auch für uns ziemlich modern, findet ihr nicht auch? Vielleicht ist unsere bessere Welt gar nicht möglich, und wir haben das Ende der Menschheitsentwicklung nur vorverlegt?“

Mach kein Mist! Dann sollten wir wohl noch Hütermanns schräges Angebot annehmen, um zu überleben, ja?“

Am wenigsten gefiel mir, dass Siegrid meine eigenen Befürchtungen laut aussprach.

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post