Operation Zeitensprung - ein utopischer Roman (9)
„Und wann ist deiner Meinung nach der richtige Augenblick?“
Es war nicht leicht für mich. Er streckte sich mir mit aller Kraft entgegen. Er erwartete einen wilden Ritt, und so viel an mir wollte die Zügel locker lassen. Das war ja nicht das erste Spiel dieser Art. Ich genoss es, dass Gunti mir in diesen Dingen so vorbehaltlos vertraute. Jetzt musste er sich mir gegenüber auch bei seinem Geheimnis öffnen. Vielleicht erführe ich sonst nie etwas.
„Genau jetzt. Kein Pferd sollte in Galopp fallen, ohne ein Ziel vor Augen zu haben.“
„Ich möchte dich wenigstens ansehen dabei. Nimm mir die Binde ab! Bitte.“
„Du bist nur ein Mann. Ich liebe dich, leider.“
Das war zwar nicht logisch, aber wirksam.
„Weißt du es denn wirklich nicht?“
Guntram fragte es mit müder Stimme. Er hatte wohl schon kapituliert.
„Würde ich sonst fragen?“
„Du versaust uns den ganzen schönen Abend!“
„Erzähl schon!“
„Na gut, Anna. Aber du irrst dich. Was du da gelesen hast, bezog sich nicht auf uns. Es galt jenem Astronautenteam, das schon lange auf eine besondere Reise hin trainiert wird. Wir sollen nicht mitreisen, sondern nur alles vorbereiten.“
Leicht enttäuscht verfolgten meine Augen, wie mein Hengst zum Wallach absackte. Aber jetzt wollte ich es wissen. Notfalls würde ich Guntis Kräfte schon wieder neu beleben. Guntram schwieg einen Moment. Dann fuhr er fort:
„Dein Vater forscht schon eine Weile am Problem der Zeitreisetheorie und -praxis. Theoretisch hat er es längst gelöst. Eine interessante Sache. Und der Prototyp für ein Zeitschiff ist fast fertig. Nur halten wir sein Einsatzziel für Missbrauch: Es soll die jahrhundertelange Übermacht der Amerikaner durch eine der Europäer ersetzen.“
„Übermacht nennst du das? Ich weiß ja nicht“, sagte ich in seine Pause hinein.
Gunti sprach zögernd weiter. Ihm wurde scheinbar gerade bewusst, dass ich unser heutiges erotisch getarntes Zusammensein ebenfalls missbrauchen wollte.
„Gut, aktueller Anlass für unsere Hektik ist diese Mücke, diese Katastrophe, die die Amis durch ihren Umgang mit der Umwelt heraufbeschworen haben.“
Er musste mein Luftholen gehört haben.