Sunday, 6. may 2012 7 06 /05 /Mai /2012 17:19

Wenn ich den Autoren frage, darf ich doch von einem anderen Blog etwas rüberkopieren, wenn ich schreibe, wo ich´s her habe, also nur dass ich es darf, nicht dass ich es unbedingt machen will. Vielleicht ist das auch Werbung für das andere Blog ... Mir fällt ja nicht alle Tage ein SF-Roman ein und wenn lange nichts auch dem Blog passiert, kommt ungefragt Werbung von overblog, die ich nicht will ...

von anna
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Friday, 27. january 2012 5 27 /01 /Jan. /2012 13:12

Vier Jahre später

 

Nuk tat sehr geheimnisvoll. Nicht Mama, ich solle es als erste erfahren. Vorsichtig nahm sie mir das Tragetuch mit meiner Sonja ab und strich der Kleinen über die Locken. Dann schleifte sie mich auf ihr Zimmer und holte etwas unter dem Bett hervor, was an einen gewöhnlichen Schuhkarton erinnerte. Nuk nahm den Deckel ab und griff nach einem 3-D-Foto. Die maskenartige Abbildung eines jungen Hochkopfes. Er wirkte interessant, wenn auch alles andere als schön. Der Mensch gewöhnt sich an alles, dachte ich spontan. Zögernd stand ich da.

„Das ist dein heimlicher ...?"

Nuk konnte sich nicht zurückhalten.

„Er hat sich in mich verlobt. Er war sehr vorsichtig, weil er dachte, ich hab so was noch nie gemacht, und sein Schlüssel wäre zu groß. Sieht er nicht toll aus? Wenn er nächste Woche heimfliegt, nimmt er mich mit. Was meinst du: Werden Mama und Paps das verstehen?"

Ich nickte und nahm Nuk fest in die Arme.

„Danke, Anna", sagte die Sechzehnjährige.

Ich aber warf mich auf ihr Bett, und von da aus sah ich sie wieder, die Wölfe. Da heulten die selben, die mir beim ersten Mal in diesem Zimmer aufgefallen waren. Jener Canis lupus ganz an der linken Seite – warum hatte ich das noch nie bemerkt? – zwinkerte mir verschwörerisch zu. Da ähnelte er Nuk und ich erschauerte bei dem Gedanken, diese Decke würde einmal aussehen wie andere Decken auch.

von anna - Community: Literatur und Utopien
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Thursday, 26. january 2012 4 26 /01 /Jan. /2012 13:10

Ich folgte Ernst, der sehr leise, um die Begeisterung der anderen Patienten nicht zu stören, rückwärts aus dem Kommunikationsraum schlich. Wir quetschten uns in eine Ecke des Warteraums, in dem wir jetzt allein warteten. Ich packte Ernsts herunter hängende Linke. Einfach so. Er sah mich an und schmunzelte ausnahmsweise nicht ein bisschen dabei.

„Wenn sie eine Invasion gestartet hätten, wäre es noch einmal spannend geworden", erklärte er in der Art eines eingeschnappten kleinen Jungen. Beschäftigte Ernst diese Frage wirklich? Hatte er an die selbe Filmidee gedacht? Oder suchte er nur ein ablenkendes Gesprächsthema? Abwartend sah ich zu ihm hin.

„Es ist doch eine enorme technische Leistung", fuhr er fort, „die diese Hochköpfe uns hier vorführen. Sie zeigen uns, dass sie die Zeit beherrschen. Sie mussten ja ihre Mannschaften erst einmal in die Vergangenheit geschickt haben, um sie im günstigsten Augenblick in unserer Gegenwart auftauchen zu lassen. Und jetzt haben sie sich schon mit den Unseren vermischt."

Noch immer erwiderte ich nichts. Offenbar deutete Ernst das falsch:

„Entschuldige, Anna. Vielleicht war der Zeitpunkt für dich doch nicht so günstig, denn so bekommt deine bisherige Funktion ausgerechnet dann die größte Aufwertung, nachdem du sie abgegeben hast. Aber du kannst sicher zurück wechseln, wenn es dir keinen Spaß macht, das erste Reiseteam nach Alpha zu leiten."

„Wenn sie solch gewaltige Fähigkeiten besitzen, werden sie mit Maria schon klar kommen!"

Nun saßen wir wieder schweigend und vor uns her brütend auf unseren Plätzen. Wahrscheinlich hätte ich ihm die Chance geben sollen, sich mit etwas zu beschäftigen, was bestimmt nicht sein Problem war. Nicht einmal meines. Er hatte den Unsinn mit der Invasion ja selbst angesprochen. Der hätte ihn etwas ablenken können. Und ganz Unrecht hatte er ja nicht. An der Stelle, an der wir vor kurzem gewesen waren, überschlugen sich jetzt die Ereignisse. Bis wir wieder zurück wären, hätten andere die wichtigsten Entscheidungen gefällt.

Ich stand auf, deutete auf Spiele und Zeitschriften, die im Raum herumlagen. Ernst schüttelte nur den Kopf.

„Wirklich Ruhe wird es erst geben, wenn niemand mehr Angst um das Leben von Gefährtin und Kind zu haben braucht. Also nie."

Ich quälte mir den Satz heraus. Ernst antwortete nicht.

Die nächsten Minuten tickten träge vor sich hin. Dann ging die Tür auf. Eine Frau mit halb gelöstem Mundschutz kam auf uns zu. Hinter ihr halb verborgen schlürfte uns die Hochkopffrau entgegen, deren große Augen allen Ausdruck verloren hatten. Wie um sich zu entschuldigen, sagte die Menschenärztin zu Ernst:

„Aber Ihre Frau ist durch. Das Kleine war schon tot."

Ich fragte für ihn mit: „Wann können wir zu ihr?"

Und als wäre sie dankbar, eine positive Antwort geben zu können, lächelte die Ärztin kurz auf und sagte deutlich lauter als zuvor:

„Eigentlich gleich. Die Patientin ist wach." Und nach einer kurzen Pause: „Sie weiß es bereits."

Wir folgten den Ärztinnen ins Zimmer 12. Sie erklärten uns auf dem Gang:

„Das ist eines jener Zimmer, wo wir genesende Patienten mit psychisch gefährdeten Mitpatienten zusammenlegen. Das Mitteilen von Erfahrungen hilft meist beiden. Und ihre Maria braucht viel Kraft."

„Natürlich, wir sind vorsichtig", antwortete ich deshalb.

Ein wenig unbeholfen erwartete uns Nuk vor der Krankenzimmertür. Versteckte ihr Gesicht hinter einem riesigen Blumenstrauß.

„Mama und Paps kommen heute Abend", flüstert mir Nuk zu. „... und Luk auch."

„Soll sie mit ...?", fragte die Hochkopfärztin abwartend.

Wir nickten. Drückten geräuschlos die Klinke herunter. Standen betreten herum. Nuk legte die Blumen auf die Bettdecke, konzentrierte sich, holte Luft, als hätte sie einen langen Text eingeübt. Schließlich sagte sie nur „Hallo" und tauchte zwischen uns unter.

Maria lag da, sichtlich blass, und als sie uns bemerkte, veränderte sich nichts in ihrem Gesicht.

„Übermorgen wirst du entlassen."

Das war einer der Sätze unserer Ärztin vom Gang. Allerdings hatte die dann ergänzt, wenn sich keine Komplikationen ergeben sollten, und die befürchte man im psychischen Bereich. Ein vergleichbarer Fall sei ihr nicht bekannt. Aber Ernst hätte nicht Ernst sein dürfen, wenn er nicht plötzlich vor Marias Bett auf die Knie gefallen wäre:

„Bei Gott, an den ich nicht glaube, und allem, was mir wichtig ist, ich verspreche dir unter Zeugen: Ich mach dir ein neues. Mindestens eins."

 

von anna - Community: Literatur und Utopien
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Wednesday, 25. january 2012 3 25 /01 /Jan. /2012 13:09

Die Frau drehte sich ihm zu, nahm die entgegengestreckte Hand, und jetzt standen die beiden richtig feierlich am Pult. Bestimmt hatte Natio für einen derartigen Anlass eine pathetische Rede erarbeitet. Natürlich hatte er dabei nicht geahnt, dass sie wirklich und schon so früh gehalten werden konnte.

Ich wollte Ernst anstoßen. Er hätte bestimmt den richtigen Kommentar, um alles auf den Boden zu holen. Da bemerkte ich, dass er offenbar schon länger nicht nach vorn gesehen hatte. Er beugte sich über Maria. Die hing zusammengekrümmt über ihrer Sessellehne. Ernst redete beruhigend auf sie ein. Ich gab ihm ein Zeichen. Zusammen packten wir Maria, trugen sie ins Foyer. Ich gab die Notnummer der Poliklinik an.

„ ... nein, nicht beamen. Eventuell Schwangerschaftskomplikationen ... siebter Monat ... nein, ist nicht zu erkennen."

Um uns herum hatten sich unzählige Wesen versammelt, die mit der Frau am Rednerpult neben Natio die Turmkopfform und die anderen Merkmale der Alpha-Menschen gemein hatten. So hätte in der Welt, aus der ich einmal gekommen war, ein Film über die Invasion Außerirdischer beginnen können. Irgendwelche Waffen in den Händen der Fremden, mit denen sie gleich die Teilnehmer unserer Konferenz überrumpelten, und schon hätte sich die Erde verteidigen müssen. Da weckte mich eine Bassstimme.

„Kann ich helfen? Wir wollen ..."

Die Hochkopffrau schlitzte einfach Marias Hängekleid seitlich auf. Was sie wollte, blieb unausgesprochen, denn jetzt war auch das menschliche Ärzteteam eingetroffen. Mit einem lauten "Augenblick, bitte!" schafften die Nothelfer sich eine Gasse. Die Hochköpfe hatten wenig Platz zum Ausweichen, so viele waren im Foyer versammelt.

Mit geübten Griffen hoben die Menschen Maria auf die Trage. Die Hochkopffrau wirkte etwas verwirrt.

„Sollten wir nicht ... Ich bin auch Ärztin."

Die menschliche Notärztin warf ihr einen befremdeten Blick zu, dann sah sie zu Ernst und mir herüber. Weil wir nickten, nickte nun auch unsere sie. Wir durften mitkommen. Ich hatte ein fürchterliches Summen in den Ohren.

Die beiden Ärztinnen warfen sich unverständliche Halbsätze zu. Sie schienen sich einig zu sein, denn sie begleiteten die Trage gemeinsam. Für Ernst und mich war im Warteraum vor dem OP-Bereich Schluss. Eine zähflüssig tröpfelnde Wartezeit begann.

Plötzlich ging die Tür wieder auf. Ein Patient in Nachthemd und mit angewinkeltem linken Arm stürmte herein.

„He! Kommt schnell! Das müsst ihr gesehen haben."

Nebenan war ein Salon. Dort lief an der Bildwand Programm 33. Ich zweifelte nicht, dass auch die meisten anderen Programme Sondersendungen brachten. Unser Hörsaal war zu sehen. Dort saßen jetzt Menschen und Alpha-Hochköpfe gemischt. Der Reporter erzählte von Arbeitsgruppen, die sie bereits gebildet hätten. Meine ehemalige Funktion, Teams zur interstellaren Kommunikation zu bilden und zu betreuen, hatte sich mit einem Mal gewaltig gewandelt, war vielleicht zur wichtigsten auf der Erde geworden. Die Stimme des Reporters wiederholte laufend „ ... heute noch kaum begreifbare Möglichkeiten. ... plötzlich ... alles anders ... in kühnsten Träumen nicht ..."

Das da war mir plötzlich fern. Ja, ich war dabei gewesen. Es war passiert.

von anna - Community: Literatur und Utopien
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Tuesday, 24. january 2012 2 24 /01 /Jan. /2012 13:07

Fremde Welten und das Ende von Marias Empfängnis

 

Am nächsten Morgen begrüßten uns eine gewaltige Projektionswand und ein total verwirrter Natio.

„... Ich weiß nicht, was das ist ..."

Auf der Wand sahen wir sich bewegendes Grün. Pflanzen, wie sie sich ein auf Phantasie programmierter Computer ausgedacht haben könnte. Natio gab es auf, an seinem Pult zu schalten. Offenbar war die Tastatur wirkungslos. An der Wand fuhr eine Kamera weiter an einem phantastischen botanischen Garten entlang. Am meisten faszinierte mich eine riesige rote Blüte zwischen all den Nuancen von Grün. Diese Blüte war in dem Film am Rand als Knospe aufgetaucht, hatte sich zuckend geöffnet und, bis sie den anderen Bildrand erreichte, löste sie sich in schwarzbraune Kringel auf.

Dieser scheinbare Lehrfilm vom Werden und Vergehen in Zeitraffer zog mich immer stärker in einen hypnotischen Bann.

Jetzt erschien eine gleiche Knospe wieder am Anfangspunkt. Es war völlig still im Raum. Die Knospe entfaltete sich zur Bildmitte hin. Zwischen den Blütenblättern wuchs etwas. Kelch, Stempel, wie hieß das noch? Längst verschütteter Biologieunterricht. Ein Schmetterlingsprinz? Nein. Eine Frau. Eine Walküre. Ohne Schild und Schwert. Nackt. Ein strenges, rotbläuliches Gesicht. Menschenähnlich. Mit überhoher Stirn, knochig weit vorstehender Nase, kleinen Ohren, übergroßen Augen. Der Bauch wölbte sich vor. Immer weiter. Die Frau setzte sich hin. Zwischen ihren Beinen drückte sich eine hohe Stirn vor, ein haarloser Kopf. Im Hintergrund klang Musik. Wahrscheinlich war sie von Anfang an da. Ich bemerkte sie erst, als das Baby schrie. Die Frau hielt es an ihre volle Brust. Es saugte und saugte. Sah zufrieden und müde aus. Die Kamera wich zurück. Was ich sah, konnte eine Stadt voll Dachgärten sein. Alle Bewegungen hatten aufgehört. Durch die merkwürdigen Dachgärten hindurch schimmerte das Baby an der Brust. Langsam wurde die Wand wieder Wand.

Ich warf meinen Kopf hin und her, schüttelte mich, kam langsam wieder zu mir. Um mich herum reckten sich die Leute, als erwachten auch sie gerade aus dem selben Traum.

Wie aus dem Nichts aufgetaucht stand nun eine Frau am Pult. Sie sah uns an, lächelte ruhig und wartete gelassen darauf, dass wir uns auf sie konzentrierten. Unverkennbar war sie der Frau in dem Film, wenn ich die Wandprojektion so nennen durfte, sehr ähnlich. Zumindest war sie eine typische Hochkopffrau.

„Ich grüße euch. Wir finden es wunderbar, dass ihr uns besuchen wollt. Denn ihr habt Recht: Es ist Zeit, dass wir miteinander reden."

Sie sprach in unserer Sprache, akzentfrei und deutlich, nur ihre Stimme war ein Gesang in sehr tiefen Tönen, tiefer als männlicher Bass.

„Ihr habt jetzt insgesamt die Reife für einen Kontakt mit uns erreicht. Wir brauchen euch nicht mehr zu fürchten. So kommen wir zu euch. Das ist einfacher als umgekehrt. Wir haben viele Schiffe in Zeit und Raum, ihr jetzt eines. Jeder von uns hat viele Dinge und Fähigkeiten, die für die andere Seite nützlich sind, wobei das Miteinander von Nachbarn keine Sache nützlicher Dinge sein sollte. Bisher haben wir euch nur heimlich beobachtet. Entschuldigt bitte! Aber erst jetzt ist der Moment gekommen, von dem an wir einander besuchen werden wie Bewohner zweier Nachbarstädte. Ihr werdet euch wundern, wie sehr wir euch in unseren Lebensauffassungen ähnlich sind. Ich hoffe es zumindest. Wir sind bei uns nämlich davon überzeugt, dass jedes denkende Wesen einmal so ähnlich denken, fühlen und zusammen leben müsste wie wir, wenn er seine Umwelt genauso entwickelt hat. Und so weit wir das erkennen konnten, habt ihr das ..."

Natio hatte die ganze Zeit neben ihr gestanden wie ein vergessenes Blumenkind der Empfangsgemeinde.

von anna - Community: Literatur und Utopien
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Monday, 23. january 2012 1 23 /01 /Jan. /2012 13:06

Ich sprach jetzt ruhiger. Ich wusste um die Blicke der Männer. Sie waren von meinen Waden zum Busen gewandert. Jetzt aber hingen sie an meinen Lippen. Natio nickte. Das war die richtige Spur.

Langsam begriff ich das Denken dieser Menschen. Ich ahnte, warum sie Siegrid eingeladen hatten, die sich eigentlich wie eine Verbrecherin benommen hatte. Sie hatte Überschwang gezeigt in der Absicht, auf ihre ganz persönliche Weise nützlich zu sein. Sie wollte durch die Zeit reisen. Den Menschen hier erschien es deshalb selbstverständlich, dass sie nunmehr durch Zeit und Raum reisen würde. Und dass sie nun sorgfältig darauf achtete, keinen Schaden anzurichten. Ich hätte dieses Vertrauen noch nicht gehabt. Aber wem trotz des allen bekannten Ausbruchs so unbefangen Vertrauen entgegengebracht wurde, der musste schon ein Schwein sein, es bewusst zu verraten.

„... und so glaube ich, in dem Team, das ganz verschiedene menschliche Fähigkeiten vereinen muss, sollte unsere Siegrid eine besonders wichtige Aufgabe erfüllen."

Mit sofortiger Wirkung wurde ich von meiner bisherigen Funktion entbunden. Ich sollte mich ausschließlich auf den Aufbau meiner Mannschaft für die Alphareise konzentrieren. Denn ich hätte Phantasie und Leitungsqualitäten bewiesen. Einer der anwesenden Psychologen ergänzte lächelnd, mir sei zwingend ein gewisser Josh zuzuteilen. Man brauche dann keinen Entfremdungsprozess zu befürchten, wenn ich nach meiner hundertjährigen Reise als eine ganz andere wiederkäme.

„ ... Diesen Vorschlag müssen wir aber jetzt gleich umsetzen. Ich nehme an, dass sich unsere Anna scheuen würde, ihr persönliches Interesse an der Beziehung zu einem Lebensgefährten mit einem Menschheitsproblem zu vermischen, wenn sie selbst ihr Team zusammenstellt."

Die Versammelten klatschten begeistert. Nachher gratulierten sie mir und Josh wie zu einer Hochzeit.

Wir übernachteten daheim. Ich erkannte Josh kaum wieder. Hatte ich ihn bei unserer allerersten Begegnung für eine Beamtenseele gehalten, so fragte er mich jetzt mit Kuhblick:

„Wirst du mich denn noch wollen, wenn ich mich nach hundert Jahren Zusammenleben mit dir nicht genug verjüngt habe?"

„Lass das unsere Enkel entscheiden."

Als sich Josh an mich heran schieben wollte, hielt ich ihn sanft zurück.

„Du, ich muss dir noch etwas sagen."

„Na, sag doch! Ich bin ganz offen für dich."

„Nein, es ist nicht komisch. Also Siegrids Ausbruch, da war ich am Anfang mit dabei. Ich bekam nur keine besondere Rolle beim Einfangen der anderen, weil ich mit Maria und Ernst befreundet war, und das stand ja fest, dass die nicht mitkommen würden und ..."

Ich legte meine Hand auf Joshs Mund, weil er meine Rede offensichtlich unterbrechen wollte.

„... erst als sie bei Peter und Anita richtige Gangstermethoden anwendeten, da hatte ich Skrupel, wollte nicht mehr mitmachen und bekam eine Spritze. Da bin ich zwischen den anderen gelandet, die mich für eine normale Gefesselte hielten und ..."

Irgendwie stockte da mein Redefluss. Meine Hand rutschte ab. Ich überlegte, wie ich mich Josh gegenüber verständlich machen könnte. Da sagte er:

„Ich hatte schon Angst, das Leben mit dir könnte langweilig werden. Aber danke für den Hinweis: Ich werde für dich ab jetzt immer eine Betäubungsspritze bereit halten."

Ich trommelte mit beiden Fäusten auf ihn ein. Dazu musste ich mich auf ihn drehen und den Oberkörper nach oben biegen. Das ließ kein ernsthaftes Gespräch mehr zu, aber eigentlich war jetzt ja alles gesagt.

In dieser Nacht taten wir alles, um vielleicht zu Enkeln zu kommen. Wenn es Maria vergönnt war, warum sollte ich nicht das selbe Glück haben? Obwohl ich fürchtete, auch Josh könnte älter sein als vierzig.

von anna - Community: Literatur und Utopien
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Sunday, 22. january 2012 7 22 /01 /Jan. /2012 13:04

„Ich wollte dich einfach überraschen. Das ist mir wohl gelungen", erklärte er über das ganze Gesicht schmunzelnd.

„Nein, ich habe nur herausbekommen, dass ich deinetwegen hier bin. Mehr nicht."

Ich musste ihm notgedrungen glauben.

Der Beratungsraum war nicht sehr luxuriös ausgestattet. Es gab einen Platz für den jeweiligen Vortragenden zentral vorn. In Halbkreisen aufsteigend reihten sich die Sesselfronten der Zuhörer aneinander. Das erinnerte an Hörsäle in alten Universitäten. Na gut, die Sessel wären für Studenten zu bequem gewesen, und vor ihnen waren Arbeitsmaterialien, je ein kleiner Monitor und ein Replikator aufgebaut. Wir konnten uns also während der Diskussion unseren Kaffee oder was wir sonst so brauchten selbst zubereiten.

Aber was sollten wir hier? Verlegen reichte mir Siegrid die Hand. Wir setzten uns den Platznummern entsprechend nebeneinander in die zweite Reihe. Ich hätte ihr gern ein paar nette Worte gesagt, sie wenigstens freundlich angesehen, aber bis zur offiziellen Begrüßung wurde ich laufend von allen Seiten angeredet. Die Tierparkszene blieb unerwähnt.

Professor Natio, der ZAT-Leiter, fasste zur Einleitung die bisherigen Ereignisse und Erkenntnisse um Alpha 01 zusammen. Es war für mich nichts Neues und damit ermüdend. Hellwach wurde ich erst wieder, als er im folgenden Abschnitt unser Erscheinen beschrieb - bis hin zu dem missglückten Fluchtversuch „eines besonders ergebnisorientierten Teils der Gruppe". Ich musste an Ernsts Scherz denken. Das klang hier, als wären wir die Außerirdischen, und Siegrid war für einen Moment eine Heldin. Was sollte das?

„Das Kollektiv 15 im ZAT hat diese Ereignisse analysiert. Es ist zu einem außergewöhnlich positiven Schluss gekommen. Die Kollegen brennen darauf, euch den zu erläutern. Ich habe sie zu diesem Zweck auch eingeladen, ihnen aber vorübergehend Sprachverbot erteilt, Entschuldigung, Markus, denn ich hoffe, unter unseren Gästen findet sich noch ein Verrückter, der aus den dargelegten Fakten das selbe kombiniert. Für eine kurze Verschnaufpause sind die Replikatoren auf Eistee mit Maxin zu eurer besonderen Anregung vorprogrammiert."

Ich nippte wie geistesabwesend. Dabei wanderte mein Blick zwischen Ernst und Siegrid hin und her. Man behandelte uns wie Kriminalistikschüler, lauter Doktor Watsons, denen verschiedene Indizien vorgelegt wurden, die zur Lösung des Falles beitragen sollten. Und unser Sherlock Holmes hatte offenbar den Zusammenhang schon gefunden.

Plötzlich ahnte ich die Lösung. Das Klingelzeichen unterbrach meine sich erst langsam ordnenden Gedanken. Die anderen Teilnehmer versuchten, die Aufmerksamkeit nicht auf sich zu lenken. Ein peinlicher Moment allgemeinen Schweigens begann. Da hob ich schüchtern wie zu meiner Schulmädchenzeit einen Finger, Natio winkte mir, ich stolperte die paar Schritte nach vorn. Ein Glück, dass ich so jugendlich wirkte, und damit meine Verlegenheit zur Schau stellen konnte. Glücklicherweise wusste ich um die Wirkung meines Kleides. Sollte ich jetzt Unsinn reden, dann würden mir das wenigstens die etwa 50 Männer unter den 80 Teilnehmern nicht verübeln.

„Wenn zwischen den von Professor Natio vorgetragenen Sachverhalten ein Zusammenhang bestehen soll und der zu einem Kontakt mit diesen, sagen wir mal, Alphamenschen führen müsste, dann kann er offenbar nur in unserem Zeitschiff liegen. Mit seiner Hilfe könnte der Start einer Allreise in die Vergangenheit verlegt werden. Flugetappe eins wäre die Zeitbewegung, Flugetappe zwei die im Raum. Vielleicht lassen sich beide sogar koppeln. Seht mich an oder ein beliebiges Mitglied unseres alten Teams. Durch einen noch nicht erklärbaren Transformationsnebeneffekt sind wir körperlich gegenüber unserer Startzeit verjüngt. Ihr könntet also jetzt zum Beispiel als reife Herren diesen Raum verlassen und um die Erfahrung einer hundertjährigen Reise reichere Besucher des Alphasystems körperlich verjüngt in den Saal zurück kommen. Wenigstens theoretisch. Stellt euch einmal vor ..."

von anna - Community: Literatur und Utopien
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Saturday, 21. january 2012 6 21 /01 /Jan. /2012 13:03

Wozu diese Aufregung? Ein Zeitraum von hundert Jahren konnte mit „sofortiger Kontaktaufnahme" ja wohl nicht gemeint sein! Wen sollte ich fragen?

Aus Forschungs- und Praxiseinrichtungen wurden oft solche Kollegen ins ZAT delegiert, die an ihrem Arbeitsplatz nicht umsetzbare Ideen geäußert hatten und deshalb als Querköpfe verschrien waren. Sie sollten die bisher erprobten Arbeitsabläufe nicht weiter stören, aber unter von ihnen selbst gesteuerten Bedingungen neue Theorien und Praktiken bis zur Einsatzreife durchprobieren. Gerade, weil wir auf dem Gebiet der außerirdischen Kontakte bisher ins Leere hinein Theorien entwickelt hatten, war ein reger Personalaustausch zwischen uns und dem ZAT entstanden. Der schuf besondere Probleme für meine Arbeit, waren doch viele dieser Typen wenig teamfähig, während meine Arbeitsaufgabe gerade darin bestand, Teams zusammenzustellen.

Mich tröstete etwas, dass auch Maria und Ernst Einladungen für das Wochenende bekommen hatten. Wenigstens säße ich dort nicht total einsam und verlassen herum. Und Ernst grübelte mit tiefsinnigem Gesicht:

„Im ZAT werden wahrscheinlich längst Bewohner von Planet 4 im Alpha 01-System arbeiten. Jetzt endlich geben sie sich zu erkennen. Damit ist die Kontaktfrage gelöst."

„Blödmann!"

Ernst konnte absurdeste Ideen mit einem Gesicht vortragen, dass man annahm, er glaubte selbst daran. Natürlich war es verführerisch, nach den Beobachtungen der letzten Wochen endlich auch die Krönung miterleben zu dürfen – unsere Abteilung bei der wirklichen Begegnung mit Außerirdischen! Diese Einladung beflügelte sofort wieder die verrücktesten Hoffnungen. Das war wohl menschlich. Kaum hatten wir einen Schritt vorwärts gemacht, wollten wir den nächsten.

Mama lächelte wie immer:

„Dir gefällt deine Arbeit doch?"

„Ja, natürlich, aber ..."

„Lass mal das Aber. Es gibt doch nur wenige Möglichkeiten: Die eine wäre, du erledigst die kommenden Jahre weiter Aufgaben, die du jetzt schon fast alle als Routine behandelst. Dafür ist entscheidend, wie gern du mit deinen Leuten zusammen bist."

„Eigentlich ein tolles Team."

„Siehst du. Eine Katastrophe wäre es also nicht. Du kannst natürlich auch einen Versetzungsantrag stellen. Wir finden schon einen Platz, an dem du dich ausgefüllt fühlst. Bleibt die dritte Möglichkeit, im ZAT haben sie wirklich etwas herausgefunden, was ihr übersehen habt. Die paar Stunden, bis du das genau weißt, wirst du wohl abwarten können. Egal was kommt, sei nicht enttäuscht!"

Eigentlich war mir das kein großer Trost. Und was ich auch tat: Josh erreichte ich nicht, und es wusste auch niemand, wo er zu erreichen war. Dabei war mir nach Nuks Ausbruch eines klar: Wir sollten uns aussprechen, und ich musste ihm begreiflich machen, wie weit und vor allem warum ich vorher selbst an Siegrids Unternehmen beteiligt gewesen war. Nur dann konnte ich ihm völlig unbefangen ins Gesicht sehen.

Es gab einmal diesen Spruch „Wenn man vom Teufel spricht, ist er auch schon da". Der fiel mir sofort ein, als ich am Sonnabend im Foyer des Tagungsraums Siegrid gegenüber stand. Auch sie war eingeladen worden, und das musste einen speziellen Grund haben, denn außer Maria und Ernst war sonst niemand aus unserem Zeitreiseteam dabei. Wir fragten erfolglos herum, wer einen speziellen Anlass für dieses Treffen oder eine Tagesordnung kannte. Doch die anderen Delegierten zeigten sich genauso überrascht von der unerklärlichen Eile für diese Veranstaltung.

Allerdings freute ich mich für einen Augenblick wie ein kleines Kind, dem man sein Lieblingsspielzeug repariert hatte, als ich Josh entdeckte. Was auch immer der Sinn seiner Teilnahme war, es war herrlich, ihn hier zu treffen.

von anna - Community: Literatur und Utopien
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Friday, 20. january 2012 5 20 /01 /Jan. /2012 13:02

„Sei nicht immer so frech! Wo seid ihr eigentlich gestern geblieben?"

Maria brummte verstimmt:

„Du wirst es nicht glauben: Wir haben an unseren normalen Plätzen gearbeitet."

Kaum vorstellbar, dass neben dem Sensationsfieber auch bei uns Arbeiten weiter wie zuvor gelaufen waren.

„Wisst ihr was? Wir gehen zuerst alle drei zu Platz sieben."

Bei den ersten Schritten aus unserem Einbeamraum heraus stießen wir mit ein paar aufgeregten Kollegen des Deltabereichs zusammen.

„Kommt mit! Fak hat Außerirdische auf dem Bildschirm", war das einzige, was wir zu hören bekamen.

In der Zentrale angekommen folgten unsere Blicke dem der anderen auf den Hauptschirm. Abgebildet war diesmal die Superzoomeinstellung vom gestrigen Platz 7. Nur noch größer und diesmal war ein Unterschied zu erkennen. Der dortige Saturn mit seinen Ringen war um mehrere Winkelsekunden weiter nach links gewandert, in einer Geschwindigkeit also, die absolut nichts mit dem Sonnenumlauf unseres Saturn zu tun hatte, und er war als eine künstlich erzeugte Lichterscheinung zu erkennen.

Von wegen Außerirdische! Manchmal sind sie richtige Kinder, diese Wissenschaftler, nur mit Jahresringen. Die in diesem Raum einen verrückten Tanz vollführten. Eigentlich war nur unstrittig, dass dieses Etwas sich verändert hatte, seltsam leuchtete und wahrscheinlich war, nein, es sah so aus, als wäre dieses Leuchten auf unsere Erde gerichtet.

Ich hatte jetzt ganz neue Probleme bei der Aufstellung von Einsatzbrigaden. Laufend musste ich jemanden beruhigen oder ihm erklären, warum er nicht in das jeweilige Team berufen wurde und warum er sein Schichtende einhalten müsse, obwohl ich selbst das auch nicht tat. Die Institutsleitung bestätigte, dass sich alle für Raumflüge aktuell in Frage kommenden Astronauten dauerhaft auf dem Startgelände aufhalten durften.

Dieser Kunstsaturn aber foppte uns. Die ganze folgende Woche konnten wir keine Veränderung seiner Größe oder Position mehr erfassen. Die fremde Welt blieb, wie wir sie anfangs entdeckt hatten. Zwar hatte das Computersystem die Spiegeltheorie verworfen: Es gab keine Konstellation, wann und von wo aus auch immer unser Sonnensystem das vorliegende Bild ergeben hätte. Also hatten wir höchstwahrscheinlich ein fremdes, unserem eigenen extrem ähnliches Planetensystem, auf dem wir deshalb eine mit den Menschen vergleichbare Lebensform erhoffen konnten.

Nun begann die Suche nach identifizierbaren Signalen. Unsere unbemannte Raumstation, die bisher regelmäßig Bilder mit der Lage der Erde und von anderen mathematisch-astronomischen Erkenntnissen der Menschheit in den Raum gesendet hatte, wurde auf das neue System Alpha 01 ausgerichtet. Aber uns war klar, dass uns das nicht direkt nutzen würde. Die jetzt gesendeten Signale wären erst nach 50 Jahren dort und, die gleiche Übertragungsweise vorausgesetzt, bekämen unsere Nachfahren in 100 Jahren eine Antwort. Eine wahrlich tolle Erfolgskontrolle! Wir konnten uns Zeit lassen.

Wie überrascht waren wir deshalb, als wir zu einer dringenden Beratung für das folgende Wochenende ins ZAT, das „Zentrum für Allgemeintheorie", eingeladen wurden. Thema: „Sofortige Kontaktaufnahme mit Fremdintelligenzen – Teambestätigung und Einzelmaßnahmen". Dazu lag eine obligatorische Freistellung von allen Arbeitsschichten bis zu dem Treffen bei, als ob wir Astronauten wären, die sich vor ihrem Abflug ausschlafen sollten.

von anna - Community: Literatur und Utopien
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Thursday, 19. january 2012 4 19 /01 /Jan. /2012 13:00

So hatte ich Siegrid noch nie erlebt. Ich hatte sie von früher immer als kalt und unnahbar in Erinnerung.

„Verrückt. Aber glücklicherweise kommt sie da nicht rein. Oder wird zumindest sofort bemerkt."

Ich musste es den anderen fast nachrufen. Die schienen von Siegrids Idee fasziniert. Und zugegeben: Auch ich traute Nuk zu, die elektronischen Sperren zu überlisten.

Das Wolfsgehege war sehr weitläufig angelegt. Wer die Tiere wirklich sehen wollte, kam am besten zu den ausgehängten Fütterungszeiten.

Der Wärter sah Siegrid an, als wäre sie nicht ganz normal. Sie redete beschwörend auf ihn ein:

„Wir brauchen Peilsender. Wir vermuten, dass ein etwa zwölfjähriges Mädchen sich im Wolfsgehege das Leben nehmen will."

Erst der abwechselnde Blick in unsere Gesichter überzeugte ihn schließlich, dass er es wohl mit keinem Streich zu tun hatte.

„Ich gebe Alarm."

Noch während er mit seiner Zentrale sprach, liefen wir zum Gehege in der Hoffnung, Nuk irgendwo zu entdeckten. Kaum waren wir an dem Zaun, hangelte sich Siegrid an einer Latte hoch, und mit einem artistischen Sprung war sie im Revier der Wölfe. Ein urtümlicher Sirenenton ließ uns für einen Moment die Ohren zuhalten. Eine monotone Stimme rief in regelmäßigen Abständen „Komm zurück, komm zurück! Bleib wenigstens stehen! Komm zurück! ..."

Ein Tierparkjeep jagte heran. Drei Männer in glänzenden Mänteln sprangen heraus. In dem Moment in dem der letzte das Fahrzeug verließ, verklang das Sirenengeheul und die Warnstimme. Was die Männer in den Händen hielten, erinnerte sehr an Hütermanns Elektroschocker. Ich zweifelte keinen Moment daran, dass die Geräte zumindest ähnliche Aufgaben erfüllten.

„Bitte bleibt zurück!", riefen die Männer den Umstehenden zu. Dann verschwanden sie zwischen den Bäumen, dort, wo auch Siegrid unseren Blicken entschwunden war.

Es war absurd. Ich glaubte, ich musste einfach loslaufen. Alle Sperren waren abgeschaltet, der Weg frei. Ich lief also wirklich los. Ich hatte noch gar nicht jenes Gebüsch erreicht, hinter dem man für die Blicke der Zuschauer von draußen unsichtbar wurde, da kam plötzlich Nuk hinter einem Baum hervor.

Kam wäre eine Untertreibung. Sie rannte, flog mir fast entgegen.

„Es hat geklappt, es hat geklappt! Oh, Anna hatte ich eine Angst, dass mich jemand anderes findet! Aber nun bist du ja da."

 

Sie umarmte mich stürmisch, presste mich an sich, dass ich kaum Luft bekam, und zum Glück riss sie mich dabei um. Sonst hätten die zusammengeströmten Zuschauer sicher gerührt geheult oder geklatscht – so lachten sie befreit, und geklatscht haben sie später auch.

Inzwischen führten die drei Tierparkwärter Siegrid wie eine Gefangene aus dem Wolfswäldchen. Die hatte die neue Lage nicht erfasst.

Nun lassen Sie mich doch! Das Mädchen ist in Gefahr. Kommen Sie, schnell! Holen wir sie, bevor es die Wölfe tun!“

Als Nuk die Szene bemerkte, machte sie sich von mir frei, lief zu Siegrid hin, streckte ihr vorsichtig die Hand entgegen und rief laut:

Nun komm schon raus! ... Entschuldige ... Danke!“

Schließlich waren alle wieder außerhalb des Geheges. Nuk hatte meine Hand genommen und Siegrids. Wir liefen vorneweg Richtung Tierparkeingang. Plötzlich blieb Nuk ruckartig stehen. Sie sah uns mit gespielt bösem Gesicht an.

Nein, immer muss ich auf euch aufpassen. Einen Moment und ihr macht Blödsinn. Ins Wolfsgehege einsteigen! Was da alles hätte passieren können.“

Dabei ahmte sie Mamas Stimme so überzeugend nach, dass wir nicht anders konnten. Wir lachten, und am Videophon nach Hause riefen wir nur „Sie ist wieder da.“

von anna - Community: Literatur und Utopien
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