Der Preis der Stunde (5 + Schluss)

Veröffentlicht auf von anna

Benny registrierte verwundert, daß die rechte Brust wesentlich größer war als die linke. Auch das rechte Auge war größer als das linke. Ben mochte Mädchen mit großen braunen Augen. Ob das linke Äuglein größer würde, wenn er das Kernchen dort zur Reife bringt? Benny zitterte in Sorge, Maja weh zu tun. Babett hatte ihn immer angeschnauzt, es wäre ihr unangenehm, wenn er ihre Brüste überreizte. Aber Babett hatte Brüste für Maurerpranken und Maja welche für musikalische Hobbygärtner.

Da sind sie empfindlicher. Wegen der Wunde, weißt du? Max ist wieder mal da. Er hat sich nicht verändert.„

Für einen Moment erstarrte der Traumfilm. An dem Außenpfad, den linken Hügel hinauf prangte eine taubeneigroße frisch abgenarbte Wunde.

Benny schwieg mit Mund und Fingerspitzen, doch Maja überbrückte den Mißton mit dem Griff zur Babyölflasche. Sie spritzte ein paar Tropfen auf Bennys sonst umhäuteten Mannspunkt. Er murmelte:

Du bekommst das in den Griff mit Max. Ich drück dir die Daumen. Obwohl, du bist viel zu schade für ihn.„

Und für mich solltest du dir nicht zu schade sein. Nein, das sagte er nicht, aber er hoffte, daß ein wortloses Signal von seinem Kopf durch seine Lenden über ihre Finger zu ihrem Gehirn dringen möge. Doch die Stimme in seinen Lenden war nur noch ein kaum merkliches Flüstern.

Zögernd wanderte Majas fragender Blick von der halb welken Pflanze in ihrer Hand über Bennys Gesicht zur Tür und wieder zurück. Erneut klang ein Weckeralarmton durch die Massage-wohnung.

Meint das uns?„ fragte Benny.

Maja senkte den Kopf und nickte. „Du, wir sind schon 20 Minuten über der Zeit. Die werden unruhig.„

Als sie ihre Hand zurückzog, löste sich der letzte Blutstaurest auf. Resignierend folgten Bennys Augen dieser Bewegung an seinem Körper.

Das in deinem Kopf hat ihm zu viel Streß gemacht. Weißt du, vielleicht ist noch kein neuer Kunde für mich da. Setzt du dich dann zu mir?„

Maja hatte sich zugeslipt, den Blusenknopf geschlossen, den Rock um die Hüften geschlagen und mit einem kurzen Blick in den Spiegel ihre Frisur akzeptiert. Dabei hatte sie den Mann im Hintergrund begutachtet, wie er abwartend nackt auf der Bettkante saß, als käme noch etwas.

Und wenn ich morgen noch einmal auftauche? Vielleicht findet das von heute ein gutes Ende.„

Maja machte einen Schritt rückwärts aus der geöffneten Tür. „Das würde mich freuen. Ich bin da.„

Wie um den beiden einen Moment gemeinsamer Ruhe zu gönnen, ging Daisy mit ihrem Kunden aufs Zimmer.

Benny spielte mit seinen Daumen. Maja stellte ihm Cola auf den Tisch. Er murmelte abwartend: „Und du machst solche Massagen oft?„

Maja sah ihn offen an: „Solche? Nein. Ich laß mir von keinem Kerl in ´n Schritt fassen. Eigentlich nicht mal an den Hintern, wenn er nicht gefragt hat.„

Benny lächelte. Maja hatte wirklich „in den Schritt fassen„ gesagt.

Du bist was anderes. Dieter zum Beispiel ist zwar ein Stammkunde, er bringt mir jedes Mal Geschenke mit, aber ich treib doch keine Mumienschändung.„

Sie unterhielten sich lange, bis eine Massagezimmertür aufging.

Komm, ich bring dich raus!„

In der Tür hauchte Maja Benny einen kurzen Schmatz unters Ohr wie er ihn vor Jahren von der Tochter bekommen hatte und eine Geliebte ihm hätte geben können. Draußen war es noch immer drückend heiß. Für einen Moment blieb Benjamin wie schockgefroren in der Sonne stehen. 

 

 

(geschrieben 2002)

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post