Die Träume des Peter Meier (Fragment) (1)

Veröffentlicht auf von anna

Also ich heiße Peter Meier, und wenn Sie ein anständiger Mensch sind, dann überblättern Sie das erste Kapitel einfach. Ich könnte auch sagen, ich schäme mich deswegen. Aber es war nun einmal der Anfang.

Wie gesagt, als Peter Meier wurde ich in Ludwigslust geboren. Das ist gar nicht weit von Hamburg und damit der großen weiten Welt, aber wichtiger ist, dass es an der Bahnverbindung zwischen Schwerin, der Mecklenburger Hauptstadt, und Berlin, der Hauptstadt, die Sie alle kennen, liegt. Das war nämlich damals wichtig, als meine Eltern mich zu einem Studium drängten. Da habe ich dort Semester in Philosophie und Geschichte mitgemacht, bevor mich meine Eltern so weit hatten, dass ich eine weniger brotlose Richtung belegte. Betriebswirtschaftslehre. Sie kennen das ja. Übrigens habe ich nebenbei mich in Vorlesungen bei den Germanisten reingedrängelt, wenn es um Science-Fiction-Literatur ging, wo mich eigentlich alles interessierte, vor allem wie sich diese Autoren das Leben von Menschen und intelligenten Wesen in anderen Zeiten vorstellten.

Aber dann bin ich wieder zurückgekommen. Die Insolvenz von Vaters Laden habe ich hautnah miterlebt, aber das wird Sie nicht interessieren. Außerdem weiß ich nicht, ob das wichtig ist. Ich nahm verschiedene Jobs an, Aushilfsjobs auf Zeit, bis sich das Richtige fände, vielleicht in Schwerin, Wismar, Lübeck oder Hamburg oder wo es interessant wäre, aber so weit war es nicht, denn meine Eltern erwarteten, dass ich mich um sie kümmerte, und da hatten sie ja irgendwie Recht. Wenigstens hatte ich eine eigene Eineinhalbraumwohnung in der Nähe des Bahnhofs und meiner Eltern.

Der Bahnhof war zu DDR-Zeiten wohl richtig wichtig. Heutzutage halten dort immer noch viele Züge. Andere fahren ängstlich durch. Meine Kommilitonen meinten „Lulu“ das klinge so wunderbar nach Nutte und ob ich nicht einmal ein Bild mitbringen könne. Aber wer ein Bild von Lulus Bahnhof gesehen hat, ist auf seine Nutten nicht mehr scharf.

Dann kam die Sache mit Birgit. Eigentlich das Ende einer Beziehung, von der ich nie sicher war, ob es sie je richtig gegeben hatte. An diesem Donnerstag wusste ich es endlich ganz genau: Es gab sie nicht mehr. Ein Klappbett im Wohnzimmer hätte mir gereicht oder wenigstens ein normales Einzelbett an Stelle dieses monströsen, völlig sinnlosen Doppelbettes im vereinsamten Schlafzimmer.

An diesem Abend wollte ich meine Hängepartie nicht in der Jammerdusche meiner Mutter verbringen. Sie verstehen: Du armer Junge hast Besseres verdient. So ein guter Mensch, der seine armen alten Eltern nicht im Stich lässt. Und ähnliche Sätze mehr, in denen zu Recht das Wort arm sich häufte. Ich wollte unbedingt auf jung machen und im Idealfall etwas Nutzbares für meine leere Doppelbetthälfte aufgabeln. Vielleicht war in der nächsten Generation inzwischen etwas unbekanntes Passables herangewachsen. Obwohl – so richtig glaubte ich von Anfang an nicht daran.

So stand ich etwas hilflos den Gestalten gegenüber, die sich unter dieser blinkenden Discokugel mehr oder weniger bewegten. Einen Tanz konnte ich nicht erkennen. Ich war spät genug gekommen, dass die Tanzfläche voll war. Dafür kräuselten sich die Sensoren in meinen Ohren. Ich hätte gleich wieder gehen sollen. Aber an der Bar war eine Lücke, die genau für meine Breite ausreichte. Dachte ich so für mich.

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