Die Träume des Peter Meier (Fragment) (2)

Veröffentlicht auf von anna

Ich bestellte zwei Bloody Marys, schüttete ein Glas gleich in meine Kehle aus und hoffte, das andere Glas in der Hand vergeblich auf Linderung meiner angeekelten Langeweile. Schließlich stellte ich das halb leere Glas an den Rand und begann, die Bewegungen der Jugendlichen möglichst exakt nachzuahmen. Sie haben ja Recht: Ich war schon jahrelang in keiner Diskothek mehr gewesen. Egal, ich hoffte nicht aufzufallen. Irgendwelche Büchsen zum öffnen hatte ich noch keine bemerkt.

„Null Spaß?“

So sehr ich mich bemühte – der Typ, der mich da anquatschte, war nicht zu erkennen. Ein kurz gewachsener Kerl, kaum mehr als eins sechzig, schmächtig gebaut, mit Streichholzhaaren und Durchschnittsgesicht – wahrscheinlich. Ich nickte „Hm!“, obwohl er das nicht hören konnte.

„Willst du mehr Power?“

Ich vermutete Extasy. Dass das so schnell gehen würde, hätte ich nicht erwartet, schon, weil ich so leicht als nicht dazu gehörend zu erkennen war. Hätt ja ein Spitzel sein können. Ob der Junge neu war im Geschäft? Mir sollte es recht sein. Vielleicht half es.

„Over!“

Das klang hip. Hoffte ich zumindest.

Der Typ winkte mir. „Nicht hier!“

Ich hätte mir vorgestellt, dass solche Geschäfte in diesem Gewühl am leichtesten zu machen wären, folgte ihm aber schon aus Neugierde.

Er verschwand in einem Gang. Das meine ich wörtlich, denn plötzlich war die einzige Person, die ich sah, eine Achtzehnjährige, die auf die Damentoilette zu wankte.

„Bleib so stehen!“

Das klang richtig spannend. Endlich war mal etwas los in diesem Kaff, wo ich dabei war.

„Sag: Nur mal so testen für heute oder eine Großpackung?“

Na, was dachte der sich? Sollte ich tagelang in diesem Schallkeller steigen, um auf Futter zu lauern?

„Die größte?“

Gleich würde ich eins aufs Maul kriegen.

„Macht zweihundert.“

Keine Ahnung, ob das ein guter Preis war. Keine Ahnung, ob mir gleich ein Knüppel hätte auf dem Kopf landen können, wenn ich zeigte, dass ich über zweihundert Euro bar bei mir trug. Eigentlich von nichts Ahnung. Ich wagte ja nicht einmal, wie viel eine Großpackung wäre. Es konnten genauso gut Zuckerpastillen sein. Ich zückte meine Börse und hielt die Scheinchen nach hinten. Zitterte plötzlich, als mir einfiel, dass gleich mein Geld weg sein konnte, und das wäre es dann gewesen.

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