Die Träume des Peter Meier (Fragment) (3)

Veröffentlicht auf von anna

  Aber da lag eine klappernde Schachtel zwischen meinen sich sofort verkrampfenden Fingern. Ich lief sofort in Richtung Herrenklo, schloss mich in eine Kabine ein, öffnete die Packung und warf mir eine lose Pille ein. Dann schlenderte ich zu meinem verwaisten warmen Bloody-Mary-Glas zurück. Jetzt brauchte ich nur noch die Wirkung der Pille abzuwarten.

Ich setzte ein Gesicht auf, das ich für ein selbstsicheres Grinsen hielt, und suchte meinen Typen, der sicher weitere Geschäfte anbahnen würde. Um es vorweg zu nehmen: Leibhaftig habe ich ihn nie wieder gesehen. Aber ich bin mir fast sicher, dass der überfahrene Mann auf der ersten Seite unseres Käseblatts zwei Wochen später eben jener Typ war. Nur war das eigentlich nichts als ein vages Gefühl, so wie ich ihn gesehen hatte, also kaum, und so verstümmelt, wie der Tote war, ein Unbekannter, etwa einen Meter sechzig groß …

Mit wem hätte ich über die Sache reden sollen? Heute bin ich mir fast sicher, dass ich über diesen Unfall, wenn es denn einer war, sehr glücklich sein muss. Er allein hatte den Kontakt, und er hätte mich wieder gefunden …  

Aber so weit war es damals nicht. Im Gegenteil. Von Minute zu Minute wurde ich ärgerlicher. Jegliches Hochgefühl blieb aus. An Statt dessen wurde ich müde. Deprimiert. Achselzuckend, denn der Abend würde nicht mehr zu retten sein, machte ich das, was ich schon vorher hatte tun wollen. Ich ging unauffällig.

Es war drei Uhr. Die frische Morgenluft munterte mich nicht etwa auf. Eher hatte ich das Gefühl, von Minute zu Minute träufelte mir jemand einen Schlaftrunk direkt ins ungeschützte Hirn. Zum Schluss rannte ich, um noch rechtzeitig auf eigenen Beinen mein Bett zu erreichen. Ich sehe das heute ganz deutlich vor mir. Ich weiß, dass ich mich splitternackt ausgezogen und mit buchhalterischer Genauigkeit meine Sachen zu einem Stapel zusammengelegt habe. Dann habe ich die leichte Decke gegriffen und mich in sie eingewickelt auf die Matratze geworfen. Obwohl das jeder Traumtheorie widerspricht, hat sofort mein erster Traum begonnen. Aber es ist sicher auch nicht normal, dass man sich so genau daran erinnert.

 

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