FN 3514 (12)

Veröffentlicht auf von anna

 

 

So ging das bis zum Nachmittag. Wir hockten mit Headsets und Laptops am Rande des Treibhauses, um die Bienen sowohl direkt zu beobachten als auch so etwas wie Brainstorming zu treiben. Wir merkten ja, dass der eine fantastische Einfall den anderen nahezu jagte. Das war Spaß, Freude, das hätte ewig so weitergehen können Wir achteten überhaupt nicht auf Greg. Oder besser: Ich entdeckte ihn nur zufällig schräg hinter mir. Da stand er, hatte die Augen weit geöffnet, in der Hand ein Messer, nein, genauer, ein Dolch. Ich war mir seltsamerweise sofort sicher, dass er in zwei Schritten mir dessen Klinge zwischen die Schulterblätter gejagt hätte, und sprang zur Seite. Aber der Arm, der ganze Greg war plötzlich erstarrt. Er sah nichts, schien nichts zu hören, reagierte nicht, als sich ihm auch die anderen zuwandten.

Vergeblich versuchte ich, ihm den Dolch aus der Hand zu nehmen. Seine Finger krallten sich mit einer Kraft am Griff fest, die ich nur mit Werkzeugen hätte überwinden können. Wir riefen den Sicherheitsdienst. Die transportierten Greg ab. Eine total steife Puppe.

Wir besuchten ihn nachher noch mehrmals in der Werksambulanz, doch dort lag er bereits im Koma. 10 Tage nach diesem Auftritt informierte man uns über sein Ableben. Schon drei Tage danach fand eine kleine Beerdigung statt. Klein ... Es waren die Massen des Instituts da, die schnell wieder auseinanderströmten. Verwandte oder Bekannte nicht. Na, ja, alle die im Institut genommen wurden, hatten anscheinend nur eine überschaubare Zahl von Verwandten drau?en. Wir sa?en noch etwas beisammen. Sozusagen als Gregs Familie. Dann gingen wir weiter unseren Forschungen nach.

Natürlich waren wir an Gregs Computer gewesen. Gleich nachdem die Security ihn weggeschafft hatte.

Es war seltsam. Das Nervige solcher Jobs ist ja, dass wir penibel jeden einzelnen Schritt aufzeichnen. Das geht einem allmählich ins Blut über. Greg war bei aller Genialität beim Programmieren in der Hinsicht auch ein Pedant. ?ber das aber, was er in den drei Stunden vor seinem Auftritt bei uns gemacht hatte, gab es nichts. Nun bereute ich, Gregs Liebe nicht geteilt zu haben. Ich wurde den Verdacht nicht los, dass die letzten Sequenzen - von wem auch immer - gelöscht worden waren. Am Ende des akustischen Speichers war seine Stimme von X minus 170 Minuten zu vernehmen: „... aber wenn das eine logische Reihe sein sollte, dann könnte man alle Zwischenelemente auslassen und wieder bei ...“ Davor fehlte etwas und dann brach die Aufzeichnung ab. Dass er plötzlich etwas gegen mich gehabt haben könnte, ließ sich nicht daraus ableiten.Im Höchstfall, dass er die Kombination erahnt oder wirklich entdeckt haben könnte, die nach den FN 3514 käme. Vielleicht wieder mit ganz neuen Eigenschaften. Wie gern hätte ich das gewusst. Vorerst aber blieb mir nichts Anderes zu tun übrig, als meine Vermutung in den Bericht für Yong-Brown zu schreiben. Am folgenden Tag waren alle Speicherelemente ausgebaut worden. Ich wagte nicht zu hoffen, dass er irgendwo eine Sicherheitskopie angelegt hatte ...

 

 

 

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