Die Fleisch fressenden Bienen (22)
Wenn wir von den Bienen stimuliert wurden, bedeutete das mindestens zweierlei:
Die Bienen verstanden uns – und sei es nur teilweise – und sie verfügten über einen Mechanismus, mit dem sie auf unser Gehirn einwirken konnten.
Das bedeutete aber auch, dass alle Forschungsergebnisse von den Bienen nach Gutdünken beeinflusst werden konnten, wir also nur herausfanden, was sie uns erlaubten.
Und damit war ich an einem Punkt, wo es mir kalt über den Rücken lief: Zum einen wurden wir außer vielleicht durch die CIA auch noch durch die Bienen überwacht, zum anderen ergab sich plötzlich eine fürchterliche Erklärung für die drei Todesfälle bzw. das Verschwinden oder merkwürdige Verhalten der drei Computerspezialisten. Die konnten am ehesten etwas entdecken bzw. hatten etwas entdeckt, was den Bienen nicht passte. Sie waren manipuliert und hingerichtet worden.
Meine einzige Hoffnung war, dass die Viecher nicht direkt unsere Gedanken lesen konnten. Ansonsten hatte ich gerade mein Todesurteil gefällt. Greg und seine Nachfolger hatten sicher offen geforscht, vielleicht sogar Selbstgespräche geführt.
Das Auswertungsgespräch unserer Gruppe hatte mit der Festlegung geendet, jeder sollte alles gründlich überschlafen, und am nächsten Tag würden wir über die weiteren Schritte entscheiden. Vielleicht ... Nein, eigentlich konnten diese fliegenden Monster nicht daran interessiert sein, dass wir sie durchschauten. An diesem Abend waren wir genau vier Personen, die die Entdeckung kannten. Es war sicher nicht unwahrscheinlich, dass wir bisher die einzigen waren, die dies entdeckt hatten.
Das alles ging mir durch den Kopf, während ich abwusch. So primitive Dinge wie Abwaschen oder Putzen waren die besten Momente, durcheinander wirbelnde Gedanken zu ordnen. Lissy ließ mich dabei in Ruhe. Ja, sie freute sich, dass sie sich hinsetzen oder -legen konnte. Sie griff dann meist nach einer Zeitschrift, bei der sie abschaltete.
Oh, Gott ... Lissy! Sie war in ihrem Zustand ja wohl die letzte, der ich meine Bedenken erklären sollte. Aber sie war doch mindestens genauso in Gefahr wie wir anderen!
Eine Vorahnung trieb mich zum Wohnzimmer. Wie ein heimlicher Dieb schlich ich umher.
Ich wurde belohnt. Die Aufregung des Nachmittags, die lange Zeit im Freien, egal was. Auf jeden Fall war Lissys Kopf auf die Lehne gesunken. Lissy hatte es gerade noch geschafft, die Knie auf der Couch anzuwinkeln und sich zusammenzurollen. Nun schlief sie. Ganz deutlich hörte ich ihre regelmäßigen Atemzüge. Vielleicht würde sie gleich anfangen zu schnarchen. Seltsam. Ich hatte Lissy noch nie schnarchen hören.
Ich schlich mich aus unserem Bungalow. Vielleicht war das verrückt. Aber mir fiel niemand anders ein als Paul. Was auch immer bisher zwischen uns gestanden haben sollte, jetzt verband uns dieselbe Bedrohung. Sollte ich Recht haben.
Ich griff mein Handy, gab Pauls Nummer ein, wartete. Es schaltete sich eine Mailbox ein. „... Bitte hinterlassen Sie ...“ Vielleicht wollten sie nicht gestört werden. Das kam auch bei älteren Paaren vor. Aber egal. Dann musste ich eben unangekündigt auftauchen. Hoffentlich war es noch nicht zu spät.
Kein Wölkchen am Himmel. Die ersten Sterne waren aber schon zu erkennen. Wie war das noch? Die Venus war der Abendstern? Oder war das der Mars?