Die Fleisch fressenden Bienen (23)

Veröffentlicht auf von anna

 

Esther und Paul bewohnten einen ebensolchen Bungalow wie wir. Außen unauffällig, ohne Protz. Aber ich war mir sicher, dass das Institut für ähnlich edlen Luxus gesorgt hatte. Wir hatten die beiden nie besucht. Ich wusste gerade einmal, wo sie wohnten.

Alles dunkel. Um die Zeit?

Der einfachste Weg war natürlich, zur Haustür zu gehen, zu klingeln und abzuwarten, auch wenn es für einen unangekündigten Besuch entschieden zu spät war. Ich tat es trotzdem.

Die Glocke klang jetzt merkwürdig laut. Ich stand im Schatten eines kleinen Regenschutzes. Wartete. Nichts geschah. Ich klingelte erneut. Diesmal wütender. Trat zurück. Hatte irgendwie das Gefühl, die einzigen, die mich zur Kenntnis nahmen, waren die Leute der Institutssecurity. Allerdings war auch von denen noch keiner zu sehen.

Wenn ich mich festnehmen ließe wegen Ruhe störenden Lärms?

Und Lissy? Die sollte die ganze Nacht allein bleiben?

Jeder Bungalow hatte einen kleinen Garten auf seine Rückseite. Aber irgendwo waren die stillen Melder installiert. Blieben noch die Fenster. Wenn ich wenigstens gewusst hätte, welches Fenster zu welchem Raum gehörte! Aber immerhin fand ich genügend Steinchen, um sie gegen alle erreichbaren Fenster plautzen zu lassen. Noch immer keine Security. Aber eben auch kein Zeichen im Haus.

Plötzlich packte mich eine unbändige Angst. Ich vergeudete hier meine Zeit, Lissy aber schlief allein ahnungslos daheim. Ich musste sie beschützen. Wenigstens sie und zumindest diese Nacht. Am Morgen würde sich schon ... ach egal! Mir war plötzlich klar, dass ich zu keiner vernünftigen Entscheidung in der Lage war. Ich rannte wie von einer Bande Scharfschützen gejagt zurück zum eigenen Bungalow.

Tief durchatmen! Ganz ruhig jetzt!

Es kam mir so unwirklich vor. Im Wohnzimmer lag Lissy noch immer unverändert an derselben Stelle, an de ich sie zurückgelassen hatte.

Mein Gott! Sie ist schon tot!

Vergeblich versuchte ich, den heftigen eigenen Atem zu bändigen. Näherte mich der Couch.

Da, Lissy bewegte sich. Brummte unwillig.

Den Stein, der mir da heruntergepurzelt war, hatte sie kaum hören können. Ich nahm sie auf die Arme, trug sie ins Schlafzimmer, zog sie vorsichtig aus und deckte sie zu.Unwillig brabbelte sie vor sich hin. Aber als wäre sie sturzbesoffen, wurde sie nicht richtig munter. Zum Ausgleich lag ich danach über eine Stunde neben ihr und wurde nicht müde. Eine Möglichkeit, wie ich mich aus der ganzen Situation herauswinden konnte, fiel mir nicht ein. Als das Weckprogramm mit Musik und Ansage „Heiterkeit“ einsetzte, war ich gerade eingeschlafen. Ich fühlte mich, als hätte ich in der vergangenen Nacht dem amtierenden Boxweltmeister im Schwergewicht im Ring gegenüber gestanden. Lissy merkte nichts.

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