Die Fleisch fressenden Bienen (31)

Veröffentlicht auf von anna

 

Und dann kam es: „Also eigentlich kein Grund zur Aufregung. Blinder Alarm sozusagen. Wahrscheinlich zu viel aufgeregt. Ich habe Ihrer Frau was zur Beruhigung gegeben. Morgen früh kann sie wieder raus. Allerdings Arbeiten ist nicht mehr drin. Das wichtigste Wort für ihre Frau in den nächsten Wochen heißt Ruhe. In jeder Hinsicht. Aber das wird ja wohl kein Problem für sie beide sein. Bei Ihren Vorbereitungen ...“ Sie lächelte mich geradezu spitzbübisch an.

In mir rasten die Gedanken. „Nein, also bitte. Lassen Sie Lissy hier! Sie ist ... Wir wohnen doch allein. Wenns kommt, wenn ich gerade arbeiten bin, hat sie niemanden. Vielleicht kommt sie nicht bis ans Telefon und ...“

„Herr Waechter! Milliarden Frauen kommen in solcher Situation bis ans Telefon. Sie bekommt doch nur ein Baby! Das ist doch kein Schlaganfall!“

„Aber ...“

Ich ahnte schon, dass ich mich einfach nur lächerlich machen und nichts erreichen würde. Gleich würde ich noch einen Vortrag über die Gesundheit von Lissy zu hören bekommen. Es war alles so hoffnungslos! Das, worum es ging, konnte ich ja nicht sagen.

Da ertönte der Summer. Unwillig drückte die Ärztin auf eine Taste. „Ich hoffe, dass es ungewöhnlich wichtig ist, wenn sie eine Behandlung stören.“

„Können Sie bitte vorkommen?“ Die Stimme de Schwester hatte einen Klang, dass sich jede weitere Nachfrage erübrigte.

„Sie entschuldigen. Ich bin sofort wieder da.“

Damit war die Ärztin aus dem Raum.

Ich war mindestens so überrascht wie Lissy und schwieg einen Moment. Es können wirklich keine Minuten gewesen sein, da kam die Ärztin wieder zurück. Mit einem unverbindlich freundlichen Lächeln ging sie an ihren Platz, als wäre überhaupt nichts Ungewöhnliches vorgefallen.

„Also gut. Wir behalten Sie ein paar Tage zur Beobachtung hier. Man kann ja nicht wissen, welche Komplikationen eintreten könnten.“ Mit einem Blick in mein plötzlich besorgtes Gesicht ergänzte sie noch. „Aber was die Schwangerschaft angeht, dürfte es hier keine Komplikationen geben. Und wenn etwas ist, egal was, dann werden wir sie sofort informieren.“

Dabei warf sie mir einen derart wissend-verschwörerischen Blick zu, dass ich mich wie in Trance verabschiedete und vor der Tür des Klinikgebäudes feststellte, dass meine Arbeitszeit längst begonnen hatte. Normalerweise wäre das kein Problem gewesen, aber diesmal waren ja die sechs Neuen angekündigt, die sicher auf mich warteten. Ich fing an zu laufen. Übermütig fast. Was auch immer ich tat, ... Lissy war aus dem Schussfeld ...

 

 

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