Die Fleisch fressenden Bienen (30)

Veröffentlicht auf von anna

 

Ich war gerade erst eingeschlafen, hätte wohl schlafen müssen wie mit dem Holzhammer in Narkose versetzt, da sendete das Unterbewusstsein das Kommando Aufwachen. Irgendetwas war beunruhigend. Die Wecksignale waren es jedenfalls nicht.

Ich brauchte nicht lange, um die Quelle des Geräuschs zu erfassen. Lissy stöhnte. Und als endlich das Dröhnen meines Schädels nachließ, schoss ich hoch wie ein Feuerwehr-Roboter.

„Jetzt schon?“

Lissy war schweißnass, nickte auf meine Frage, und ich bildete mir ein, genau zu wissen, was jetzt alles zu tun war. Ich hatte Lissy bisher noch nicht davon überzeugen können, unser Kind in der Klinik zu bekommen. Aber ich hatte alles heimlich bereit gelegt. Welch Glück! So viele Wochen zu früh!

Lissy versuchte, ihre Schmerzen zu unterdrücken. Aber es fiel ihr so schwer, dass ich sie ohne Probleme bis zur Bereitschaft vom „Storchenhaus“ bekam.

Völlig verwirrt ließ ich mich dann für die Untersuchung von ihr trennen. Wir waren uns wenigstens darin einig gewesen, dass ich in allen entscheidenden Augenblicken an ihrer Seite sein sollte. Nun saß ich in einem sterilen, aber farblich und gestalterisch auf kuschlig getrimmten Vorzimmer, saß ein paar Minuten, vielleicht waren es auch nur Sekunden, auf einem Schalensessel, sprang auf, betrachtete die Galerie an Babybildern, die hier eine Art Pinnwand schmückten, ohne die einzelnen Babys wirklich zu sehen, setzte mich wieder. Zehn Minuten können so lang sein. Bis ...

Plötzlich kam mir ein Gedanke, der sofort alle anderen verdrängte.

Die Geburtsklinik war etwa zwei Kilometer Luftlinie von unserem Experimentierfeld mit den Monstern entfernt. Wenn es überhaupt Ecken auf dem Institutsgelände gab, die nicht unter dem Einfluss der Bienen standen, dann gehörte sie dazu. Wenn ...

Gerade als ich diesen Gedanken zu Ende spinnen wollte, ging die Tür auf und die Ärztin sah um die Ecke. „Sie können jetzt mit reinkommen.“

Ich sprang auf und starrte auf den Mund der Ärztin wie der des Mordes Beschuldigte auf den Richtermund vor dem Urteil.

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