Operation Zeitensprung - ein utopischer Roman (12)
Ich nickte, bis mir einfiel, dass Gunti das gar nicht sehen konnte. Aber er schien meine Zustimmung auch so gespürt zu haben, denn beim folgenden Satz lächelte er:
„Ich glaube, wir haben den richtigen Punkt gefunden.“
Guntis tiefstschürfender Zeiger deutete kraftlos auf die Matte. Offen gesagt faszinierte mich nun mehr als jede Erotik, etwas Großes für die Menschheit vollbringen zu können. Überrascht erkannte ich, dass Guntram sich viel weiter und praktischer in seine Ideen hineinsteigern konnte als ich, denn ich hatte in meiner Jugend ganz ähnliche Träume gehabt. Aber vielleicht unterschied uns auch nur die faszinierende Möglichkeit, einen solchen Traum in die Wirklichkeit zu holen.
„Und???“
Ich wartete gespannt.
„Sagt dir der Ort Weingarten etwas?“, fragte mich Gunti.
An prickelnde Berührungen war sowieso nicht mehr zu denken. Guntis Körper ließ da keine Zweifel offen. So entfesselte ich ihn und fragte eher beiläufig:
„Warum? Sollte er?“
„Nicht so schlimm. Nur wahrscheinlich wurde dort der deutsche Bauernkrieg entschieden. Dadurch, dass eine Schlacht, welche die Bauern bestimmt gewonnen hätten, nicht stattgefunden hat. Gegen ein Fürstenheer, das erst danach ungebremst von Sieg zu Sieg marschierte. Wenn du dir vorstellst, dass diese Söldner insgesamt mehr als zehn mal so viel bewaffnete Bauern besiegt haben!“
„Ich versteh nicht, was dich daran aufregt.“
„Na, die Bauernhaufen wurden nacheinander zerschlagen. In unseren Geschichtsbüchern steht Weingarten als Möglichkeit, dass alles hätte anders kommen können. Dort waren die Bauern den Fürstensöldnern überlegen. Es war am Anfang aller Kämpfe, wo der eine Sieg nicht nur das entscheidende Fürstenheer zerschlagen hätte, sondern ein Fanal für die Schwankenden gewesen wäre ..."
An diesem Abend erhielt ich eine ausgiebige Geschichtsstunde von einem sich ereifernden Privatlehrer. Gunti redete sich in Ekstase. Dafür fielen einige Orgasmen aus. Es tat mir nicht leid. Mit Gunti hatte mein Leben Sinn. Was gibt man sich sonst alles an leeren Versprechungen: ... bis ans Ende der Welt? ... bis das der Tod uns scheidet? Mit Guntram war das anders. Egal, wohin uns unser Apparat brächte und ob wir überhaupt aus unserer Zeit heraus kämen, ich würde Gunti und meinen Vater begleiten. Ich war auch bereit, mit ihnen eine Reise ins absolute Nichts anzutreten, wenn die Technik versagen sollte, oder ins Gefängnis, wenn man uns erwischte.