Operation Zeitensprung - ein utopischer Roman (39)
Der Bus hielt, die Tür öffnete sich und Nuk dirigierte uns hinaus. Es war entschieden. So lange wir mit Flucht rechnen mussten, war es wohl sicherer, unsere Anzüge anzubehalten, obwohl wir darunter unauffälliger gekleidet gewesen wären. Das Umziehen ginge schnell. Die Leute hier würden uniformierte Fremde suchen. Mit Tageskleidung kämen wir vielleicht unbemerkt bis zum Eingang des Märchenwaldes zurück.
Von außen erinnerte das Gebäude, zu dem uns Nuk gebracht hatte, an einen gewöhnlichen Plattenbau unseres 20. Jahrhunderts. Wir folgten ihr ins Treppenhaus.
„Mama ist da und Dad, Bek und Jaf und Viet und Bru und Lak und Lam und As und Ginn und Dorit und Miggi, Na und Sula, Botti, Koro, Angela und Sabina, na und die anderen eben.“
Für mich klang das wie die Vorstellung einer Eskimofamilie, wenn ich einmal von Angela und Sabina absah. Das waren die einzigen Namen, die ich mir wirklich gemerkt hatte. Unvorstellbar, dass so viele Leute in einer Wohnung hausten!
Nach einer ganz normalen Treppe standen wir vor einer Tür, die auch nicht aussah, als stammte sie aus ferner Zukunft. Nuk drängte uns in einen langen Gang.
„Kommt mal hier links rum!“
Ehe wir uns versahen, befanden wir uns in einem Raum, der eingerichtet war wie ein gemütliches Café.
„Setzt euch! Ich hol die Mama.“
Wir gehorchten. Die Sessel waren um Sechsertische angeordnet. Wir hatten uns auf drei davon verteilt. An meinem Tisch saßen noch Maria, Hartmut und Fritzi. Zwei Plätze warteten auf Nuk und ihre Mama. Ich wurde die Befürchtung nicht los, gleich von einem ganzen Schwarm von Leuten umkreist zu werden. Einen richtigen Angriff fürchtete ich eigentlich nicht. Allerdings lag wie zufällig der Strahler rechts neben mir – und bei den Kameraden sah das genauso aus.
Peinliche Sekunden. Sprungbereit starrten wir auf die Tür, durch die uns Nuk herein dirigiert hatte. Wir hörten Getuschel und Gelächter, stellten uns das Verrückteste vor, das dort über uns gesprochen wurde. Dann ging die Tür auf, eine Frau Mitte Dreißig, die äußerlich wirklich an eine hübsche Eskimofrau erinnerte, musterte uns kurz, dann wies sie das Mädchen zurecht, das den Spalt zwischen ihr und dem linken Türrahmen genutzt hatte, um uns zu begaffen:
„Sabina, bring bitte Tee, Zucker und Plätzchen für die Gäste!“