Operation Zeitensprung - ein utopischer Roman (40)

Veröffentlicht auf von anna

Es war fast eine Erlösung, dass Nuk hinter ihrer Mutter in den Raum kam und nicht weggeschickt wurde. Beide kamen zu mir an den Tisch, setzen sich und die Frau, die Mama genannt wurde, sagte, als hätten wir uns schon eine Weile unterhalten:

„Mein Mann Bek kommt gegen Drei.“

Wir schwiegen abwartend. Ich glaubte, eine Uhr ticken zu hören, obwohl kein Geräusch das gegenseitige Anschweigen unterbrach. Da hielt ich es nicht aus.

„Was Ihnen Nuk erzählt hat, ist kein Unsinn. Wenig glaubwürdig, mag sein, aber erklärbar.“

„Ich weiß.“

Das war ein Satz, der meine Nerven überstrapazierte. Ich wollte gerade aufspringen und unsere Besuchergruppe in ein Killerkommando verwandeln, da kam Angela mit einem großen Tablett durch die Tür. Hinter ihr noch ein Junge, gleichfalls mit einem Tablett. Ernsts Magen knurrte. In das betretene Schweigen hinein erklärte er:

„Ich habe immer Hunger.“

„Darf ich etwas vorschlagen? Ihr stärkt euch erst einmal ein wenig und macht euch frisch. Wenn ihr Fragen habt, fragt ruhig! Mich oder die anderen aus der Familie. Ihr lernt bald alle kennen. Wenigstens mit Nuk seid ihr ja schon vertraut. Ach, und die Anzüge könnt ihr ruhig ablegen. Unsere Atmosphäre ist ungefährlich. Eure Waffen spendet ihr am besten einem Museum. Was eure Reise durch die Zeit angeht, wir glauben euch. Darüber erzählt ihr später.“

Ich antwortete wie ein Roboter:

„Das werden wir.“

Das war ein Spuk. Meinetwegen ein Traum. Ich sah mich um. Die dreizehn Augenpaare meiner Kameraden gafften so ungläubig wie ich. Mir fiel sofort eine schreckliche Erklärung ein: Das alles war eine Halluzination. Wir waren irgendwo, egal wo, nur nicht dort, wo wir zu sein glaubten. Man hatte uns in der Hand. Jemand suggerierte uns eine absonderliche Situation, um uns zu testen. Man, jemand - wer immer das sein konnte. Wir hatten verloren. Sollten wir rundum ballern, um so viele in den Tod mitzunehmen wie möglich? Wenn aber auch das zu dieser Halluzination gehörte? Dass wir hier davonkommen würden war ausgeschlossen. Uns fehlte der Schlüssel zum Aufwachen. Und wenn wir uns dem Traum anpassten? Er war bequem.

Mama lächelte.

„In der linken Fensterecke ist erstmal Platz für euer Zeug. Nachher können wir immer noch überlegen, was wir womit machen.“

Also zeigte ich Wohlverhalten. Als wäre es die natürlichste Sache der Welt stand ich auf, berührte mit der Nadel die Kontakte an meinem Anzug und schälte mich heraus. Ach ja, ich trug das Kleid darunter, das Helmut so sexy fand. Ich ging zum Fenstertisch, an dem niemand saß, legte dort meinen Strahler ab. Die anderen machten es mir nach. Wir kehrten an unsere Plätze zurück, setzten uns wieder. Ja und dann fiel mir Nuks entgeistertes Gesicht auf.

„Robin ist ja ein Mädchen!“

Das passte nicht in eine sinnvolle Gruppensuggestion oder etwas Ähnliches. Die Verwunderung war so echt wie diese seltsame Familie.

Wir stellten uns mit Namen vor, mit Vornamen, wie wir es von Nuk kannten. Vielleicht war das hier so Sitte.

„Habt ihr überhaupt keinen Hunger?“

 

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