Missglückter Roman, 2. Kapitel, "Die Genmücke" (Fortsetzung 2 in der Gegenwart)

Veröffentlicht auf von anna

 Wie ähnlich wir uns waren. Meine Neugierde war zwar geweckt. Aber vor mir würde er garantiert nicht erzählen.

Dad, machen wir es kurz: In zwei Wochen habe ich keine Wohnung mehr. Ich bin total blank. Also selbst deine Sekretärinnenstelle ist wie ein Geschenk für mich. Ich habe keinen Lebensgefährten, bin allein, wie ich es mir bei meinem Studium nicht hätte vorstellen können. Was willst du noch hören? Warum das Ganze? Ich hab Manthey, meinem Chef, eine gelatscht, dass er in einen Aktenschrank geflogen ist. Begrapscht hat er mich, weil ich ohne BH rumgelaufen bin. Als ob das ein Grund wäre.“

Das seh ich lebhaft vor mir. Da ist er an die Richtige geraten. Und dann?“

Ich wollte ihn schonen, nichts an die große Glocke hängen. Aber was macht er? Er linkt mich. Jedenfalls wurde ich und nicht er in die Personalabteilung bestellt. Gegen mich läge eine Anzeige vor. Ich würde Testserien unseres Forschungsprojekts aus dem Institut schmuggeln. Manipulationsschwellen.“

Einen Moment überlegte ich, ob ich auf Dads fragenden Blick reagieren sollte. Doch dann sprach ich schnell weiter.

Kann ich dir später in Ruhe erklären. Ist erst einmal nicht so wichtig. Entscheidend war, dass mich der Werkschutz nach Hause begleitete und in meinem Schreibtisch tatsächlich Datagramme fand. Die waren weniger überrascht als ich, das kannst du mir glauben. Oh, ja, man sah von einer offiziellen Anzeige ab. Man habe ja alles zurück. Aber man empfehle mir die Auflösung des Arbeitsvertrages. Im gegenseitigen Einvernehmen, versteht sich.“

Dad sprang auf, setzte sich wieder. Nichts war da von der überlegenen Ruhe, die ich an ihm bewunderte - und hasste.

Dad, ich seh es ja ein. Es war mein Fehler. Ich dachte nur daran, dass ich mit Manthey auf keinen Fall weiter zusammen arbeiten wollte, und ich glaubte, mir stünden alle Türen offen. Meine Beurteilung war ja Spitze. Trotzdem lernte ich bald alle Floskeln einer unanfechtbaren Bewerbungsablehnung am eigenen Leibe kennen. Ich kann einfach nicht mehr.“

Als ich fertig war, saß er mir gegenüber und sagte bedächtig:

Also gut. Dann bleib erst mal hier. Wir werden schon Besseres für dich finden. Die Arbeit als Vorzimmerlöwin ist immer noch besser als gar keine. Sogar, wenn es mein Vorzimmer ist.“

Danke, Dad. Ich werde dich schon nicht enttäuschen“, antwortete ich, um dann mit festerer Stimme fortzufahren: „So, jetzt bist du dran.“

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