Missglückter Roman, 2. Kapitel, "Die Genmücke" (Fortsetzung 3 in der Gegenwart)

Veröffentlicht auf von anna

 Lass gut sein, Anna. Ich bin müde. Wir haben Zeit. Schlaf dich erst mal aus. Ich kann dich morgen schon im Institut gebrauchen. Und dann sollten wir schnell den Umzugswagen bestellen.“

Für mich klang das nicht überzeugend. Eher so, als hätte Dad mir sowieso nichts von sich erzählen wollen. Aber das konnte an meiner manischen Psychologenskepsis liegen. Und er hatte ja Recht. Die nächsten Tage kamen bestimmt. Ich bekäme schon heraus, was ihn quälte.

Als Dad mich am nächsten Morgen weckte, schien er um Jahre jünger. Er rasierte sich gründlich, bespritzte sich mit Rasierwasser und pfiff dazu einen Knifedance, den er bestimmt nicht auf Sendern für Großväter zu hören bekam.

Mach dich frisch, Mädel. Dein neuer Job hat’s in sich. Du wirst das schnell merken. Lauter Männer im passenden Alter. Da werden auch für dich welche dabei sein.“

Ich boxte ihn auf seinen linken Professorenoberarmmuskel, wie ich es als großes Kind so gern getan hatte.

Willst du mich gleich am ersten Tag verkuppeln?“

Und er reagierte wie früher: Er drückte seine rechte Hand auf den angeblichen blauen Fleck und jammerte mit schmerzverzerrtem Gesicht.

So darfst du mit den Männern bei mir aber nicht umgehen.“

Wie sich bald herausstellte, gehörten zum Forschungsbereich wirklich nur interessante Männer und attraktive Frauen im besten Alter. Es schien, als hätte keiner von ihnen außerhalb des Instituts eine feste Bindung. War das Zufall, lag eine Absicht darin oder redete ich mir das ein? Arbeiteten hier tatsächlich nur Singles? Die sich ihre Partner ausschließlich im eigenen Bereich suchten? Warum veralberte Dad meine Frage danach?

Du, ich mach dir eine Liste der gerade freien Partner, wenn du das als Chefsekretärin nicht selbst schaffst.“

Wochen vergingen, bis ich mit Guntram zusammenstieß. Er war in jeder Hinsicht verrückt. Von seinem Gesicht waren allein die lebhaften braunen Augen, eine kleine, gestauchte Nase und vorgewölbte, volle Lippen erkennbar. Den Rest seiner beigefarbenen Gerbhaut verdeckte eine unkontrollierbare Mähne. Blauschwarzes Kraushaar über Schädel, Ohren, Stirn, Hals, Wangen und unter der Nase. Ein lachender Junge mit Bart. Laut Akte war er vierundvierzig. Ein geeigneter Partner für mich. Ob er schon befallen war? In früherer unbekümmerter Frechheit rutschte mir die Frage heraus.

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