Missglückter Roman, 2. Kapitel, "Die Genmücke" (Fortsetzung 4 in der Gegenwart)
„Hast du dich auf Schwimmfähigkeit testen lassen?“
„Sollen sie denn gleich in dir schwimmen?“
Dabei sah er mich erwartungsvoll an. Dass ich meine Zunge nicht beherrschen konnte! So vertraut waren wir wahrlich noch nicht miteinander. Ich hätte es vielleicht erst einmal mit etwas Small talk versuchen sollen.
Natürlich ließ sich jeder Mann, der noch nicht vergreist war, seine Samenflüssigkeit untersuchen. Manche taten das schon regelmäßig, Vor mehr als hundert Jahren war festgestellt worden, dass die männliche Fortpflanzungsfähigkeit umweltbedingt nachließ. Aber erst, seit es diese Mücke gab, war der Bestand der Menschheit bedroht. Welcher Mann jedoch würde offen eingestehen, dass seine Spermien nur mit einem verkümmerten Schwanz produziert wurden, er also nicht zeugungsfähig war? Zeugungsfähige Männer waren begehrt. Andererseits erlaubte meine Anspielung auch die andere Deutung. Er konnte für mich schließlich gerade deshalb als Gefährte in Frage kommen, weil er die besonderen Qualitäten der Gestochenen hatte. Hätte ich sonst so unverschämt gefragt? So beeilte ich mich mit der Aufforderung:
„Besuch mich auf jeden Fall!“
Nun war es raus. Ich wollte mit ihm schlafen. Es war mir egal, ob ich jemals von ihm schwanger werden konnte. Im Moment wollte ich einfach nicht daran denken.
Die Zeitungen waren ja voll von Horrormeldungen um diese Mücke.
„Sie können tun, was Sie wollen! Sie erwischt Sie doch.“
Jeder Mann, der einmal von diesem Vieh gestochen worden war, wurde zum Hengst. Das war das Positive an dieser Krankheit, weshalb sie anfangs eher als Segen empfunden wurde. Welcher Mann ist nicht begeistert, wenn sein Joystick plötzlich ungeahnte Kräfte entwickelt. Welche Frau freut sich nicht über anhaltend erregende Aufmerksamkeit. GFN-Mücke hatte ein Witzbold diese Insektenmutation getauft. Glückliche-Frauen-Nacht-Mücke. Was hatten manche Männer nicht alles unternommen, um gestochen zu werden! Erst allmählich bemerkte man die andere Wirkung dieser genetischen Mückenabart. Die übermäßig körperlich verwöhnten Frauen blieben selbst dann ohne Schwangerschaften, wenn sie diese anstrebten. Als das klar war, hatte sich die Seuche schon erfolgreich ausgebreitet. Bisher gab es keinen Weg, den einmal Gestochenen wieder zur natürlichen Befruchtungsfähigkeit zu verhelfen.