Missglückter Roman, 2. Kapitel, "Die Genmücke" (Fortsetzung 5 in der Gegenwart)
Ein gefundenes Fressen für gewisse Zeitschriften:
„Im Bunker empfangen. Wie Prinz Roxis sich im entkeimten Kellerraum stammhalterfähig hielt.“
Dazu wurden Fotos eines kugeligen Prinzessinenbauches gezeigt. Oder „Amerikanisches Genforschungsprodukt bedroht europäische Männer“. Dabei war gar nicht zwingend zurück zu verfolgen, was diese Mückenmutation tatsächlich hervorgebracht hatte.
Sicher war allerdings, dass Gunti mich in einer endlosen Nacht von Höhepunkt zu Höhepunkt trieb und mich gerade das nachher traurig machte. Denn inzwischen überstieg der Preis eines kleinen Jungen mein Jahresgehalt um das Fünfzehnfache, der einer Schwangerschaft um das Zwölffache und selbst der eines kleinen Mädchens um das Achtfache. Ich musste mich auf Kinderlosigkeit einrichten. Denn vom Preis abgesehen, ödeten mich die Werbespots an, in denen lächelnden Frauen ein Ei auf dem Spreizstuhl entnommen wurde, das sich zeitraffend in einen gleichfalls lächelnden Babyklon dieser Frauen verwandelte. Oder die lächelnden Weißkittel, die eine Frau in Träume schickten, aus denen ein glückliches Baby entstand! Ich hasste diese Lächelei.
In Guntram hatte ich einen gutmütigen, heiteren Gesellen gefunden, wenn auch mitunter einen etwas in sich gekehrten. Sein etwa acht Jahre jüngerer Freund war da ganz anders. Ernst, so hieß er völlig unzutreffend, begrüßte mich drei Tage nach jener Nacht mit den Worten:
„Du tust mir Leid, Anna. Sieben Höhepunkte mit Gunti. Mit mir hättest du neun gehabt. Dabei solltest du wenigstens von einem von uns eine Mini-Anna kriegen. Oder willst du die etwa nicht?“
Ich konnte es ihm nicht verübeln. Er war eben so.
Die Bindung zu Gunti wurde von Mal zu Mal enger. Dad schien es Recht zu sein. Oft blieb Guntram in unserem Haus über Nacht. Wir quatschten abends lange und gingen morgens zusammen zum Institut. Dabei drehten sich unsere Gespräche um lauter banale Alltagsthemen. Allmählich aber hatte ich das Gefühl, als wollte mich Gunti auf meine politisch-moralischen Grundsätze hin abklopfen. Politik spielte sonst an unseren Abenden keine Rolle. Einmal aber stellte Gunti ganz unvermittelt die Frage, ob ich einen Krieg gewinnen möchte. Ich deutete auf seine Hose.
„Wenn es um diese Waffe geht, immer.“