Missglückter Roman, 5. Kapitel, "Kindernonnen und Kindermönche" (1. Fortsetzung)

Veröffentlicht auf von anna

Entschuldige, Anna, ich hab genau drauf geachtet, wen das getroffen hat. Bin ich froh, noch nicht vierzig zu sein. Es scheint, wir haben alle unsere reiferen Kameraden verloren.“

Er hatte Recht. Warum auch immer. Von unserem Team waren die Älteren zu Asche geworden. Je älter wir vorher gewesen waren, um so jünger wirkten wir jetzt. Die beiden Männer, an denen mir am meisten lag, hatten für diese Art des Reisens zu viele Jahre auf dem Buckel. Selbst Gunti mit seinen vierundvierzig. Ich hörte Kinderstimmen wie durch einen Schleier um mich herum. Ausrufe der Verwunderung. Ungläubiges Wiedererkennen.

Andi? Bist du das?“

Maria? Wie siehst du denn aus?“

Für einen Moment konnte ich sie alle nicht ertragen. Plötzlich wollte ich nichts anderes mehr als raus aus diesem mörderischen Gefängnis.

Das Schiff war auf einer Lichtung gelandet. Auf allen Seiten standen die Bäume eines dichten Waldes. Die Sonne hatte den Zenit erreicht, und mir war drückend heiß. Die Luft kam mir schwül vor wie vor einem Gewitter.

In die Trauer um die Kameraden mischte sich Komik. Jetzt rächte sich meine eitle Macke, unbedingt immer in Kleidern oder Röcken herumlaufen zu wollen, und mein Streifenkleid gleich unter den Skaphander gezogen zu haben. Ständig stolperte ich und musste den Rock zum Laufen hoch heben. Alle restliche Kleidung war schon von allein nach unten gerutscht. So zog ich mich einfach splitternackt aus. Die Gelenke knackten. Ich musste sie bewegen, um die Schmerzen zu überwinden. Ich kam mir vor, als erlebte ich meine eigene Geburt bewusst neu. Aber die anderen um mich herum führten sich genauso auf. Es war eigentlich zum Lachen.

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