Missglückter Roman, 5. Kapitel, "Kindernonnen und Kindermönche" (5. Fortsetzung)

Veröffentlicht auf von anna

Den unseren kreuzte schließlich ein etwa sechzehnjähriges Mädchen. In der Hand hielt sie einen für ihre Gestalt viel zu großen Krug. Als sie uns sah, blieb sie stehen und lächelte. Mir fielen drei Dinge an ihr auf: die schwarzen dichten Haare, mit denen sie für jedes Shampoo hätte werben können, die weiße Bluse, die den Blick zu einem vollen Busen lenkte, und die unter dem Rock hervor schauenden verschmutzten bloßen Füße. Wir wollten an ihr vorbei wie an den anderen zuvor.

Bleibt doch stehen! Euch wird dürsten. Herrliches Quellwasser“, redete sie auf uns ein.

Wir nickten dankbar. Dann sprach ich die ersten Worte zu einem Menschen der fremden Zeit:

Ja, wir haben Durst. Du bist eine gute Seele.“

Das Mädchen holte eilig einen Becher aus den unergründlichen Falten ihres Kleides und goss immer wieder ein. Sie gab erst Ruhe, als wir alle getrunken hatten. Dann hüpfte sie den Weg zurück, den sie gerade gekommen war. Ich sah ihr verwirrt nach. Die Begegnung hatte etwas Unwirkliches. Mir war, als würden wir das Mädchen bald wieder sehen. Mir war unwohl dabei.

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