Missglückter Roman, 5. Kapitel, "Kindernonnen und Kindermönche" (6. Fortsetzung)

Veröffentlicht auf von anna

Im Dorf liefen wir zum Gasthof. In der Tür schlug uns eine Mischung aus Schweißgeruch und Tabaksqualm entgegen. Die etwa zwanzig wenig Vertrauen erweckenden Gestalten würfelten und tranken. Erst, als wir schon alle in der Schankstube standen, nahmen sie von uns Notiz. Für einen Moment herrschte absolute Stille. Wir rührten uns nicht. Die Männer stierten uns an wie Gäste aus einer völlig fremden Welt. Na gut, das waren wir ja auch, aber so abweisend hätten sie uns nicht mustern brauchen. Endlich rief der Wirt etwas. Leider verstand ich es nicht. Es klang nicht sehr freundlich. Vielleicht war es ein derber Witz, denn die Trinkenden brüllten fürchterlich. Unsere ernste Ruhe dämpfte die Heiterkeit wieder. Der Wirt wies uns freie Plätze zu. Unsicher setzten wir uns. Einen Moment später beugte sich ein Mädchen über mich. Als ich mich umdrehte, traf mich ein Blick, als hätte uns eine Schulkameradin wiedergefunden. Da stand jenes Krugmädchen von der Weggabelung, das sich sichtlich darüber freute, uns zu treffen. Sie servierte uns eine Suppe. Ich erkannte nicht, was in ihr herum schwamm, aber ich wollte unsere neue Freundin nicht gleich verprellen, und so löffelte ich mit demonstrativem Behagen.

Ich bin Katharina“, stellte sich unsere Serviererin vor.

Und ich heiße Anna.“

Was los, Kati, wir haben Durst.“

Mit einem Achselzucken rannte sie zum Nebentisch. Wir waren wieder isoliert. Das hatte Vorteile. Ich konnte aufmerksam den Disputen im Schankraum lauschen, selbst wenn ich nicht viel verstand. Aus Wortfetzen reimte ich mir zusammen, dass wir es gut getroffen hatten. Die Männer stritten über einen gewissen Ziegelmüller, der es mit seinem Haufen den Herren schon heimzahlen würde. Ziegelmüller hieß einer unserer gesuchten Bauernführer. Eine andere Gestalt fluchte etwas vom „ ... Truchseß von Waldburg ... wird ... bestrafen ...“ Ich hielt den Atem an, als ich den Namen hörte. Das Ritterheer war also in der Nähe. Der entscheidende Kampf hatte noch nicht begonnen.

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