Missglückter Roman, 5. Kapitel, "Kindernonnen und Kindermönche" (9. Fortsetzung)
Schon am nächsten Tag hörten wir gelegentliche Kanonenschüsse. Ich hatte inzwischen viele Quellen zu den Ereignissen bei Weinhausen studiert. Hier stand eine in Zahl und Bewaffnung überlegene Bauernstreitmacht dem noch nicht sieggewohnten Söldnerheer gegenüber. Selbst, was die Gefechtserfahrung betraf, waren die bewaffneten Bauern nicht unterlegen, denn zu ihnen gehörten viele aus dem Süden heimgekehrte kriegserfahrene Söldner. Die waren auch durch den Donner von Kanonen nicht gleich in die Flucht zu schlagen.
Die ersten Gefechte hatten wohl schon begonnen. Ich wusste, dass beide Seiten, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, der Entscheidung aus dem Wege gingen. Etwas Zeit blieb uns noch.
Wie meist schlug Ernst vor: „Machen wir eine Futterpause.“
Das war wohl wirklich das Beste. Wir warteten die Dämmerung ab. Dann zogen wir weiter. Noch konnten wir von bewaffneten Bauern angegriffen werden. Was nutzte uns unser wunderbarer Plan, wenn sie uns als böse Kobolde, Mönche oder Spione ausgerechnet in dieser Nacht irgendwo festhielten? Doch glücklich unbemerkt krochen wir an all den Massen vorbei.
In der Mitte des Schlachtfeldes hatte die Söldner des Truchseß von Waldburg, die so genannten Bündischen, ihre Stellungen gebaut. Dem erfahrenen Heerführer war seine bedrohliche Situation klar. Darauf zu hoffen, die Bauern hier in einer Schlacht zu besiegen, hätte bedeutet, nicht ein geschickter Heerführer, sondern ein seine Augen zudrückender Spieler zu sein. Aus der Literatur kannte ich den Mann aber als geschickten Taktiker. Wahrscheinlich saß er gerade in seinem Zelt und formulierte ein Vertragsangebot für die Bauern, welches diesen das Gefühl geben sollte, die Schlacht ohne Kampf gewonnen zu haben. Hauptsache, sie gingen erst einmal zufrieden auseinander; nachher konnte immer noch abgerechnet werden.