Die Fleisch fressenden Bienen (25)
„Gehen wir weiter davon aus, dass wir alle vier nichts mit dieser Veränderung zu tun haben.“
Ich musterte Paul zweifelnd. Für mich konnte ich das sagen. Hinter mir stand auch niemand anderes. Bei Paul war ich mir nicht so sicher.
„Dann bleiben nur drei Erklärungen: Die erste: Jemand, von dem wir nichts wissen, hat die Daten in unserer Abwesenheit verändert. Das halte ich für wenig wahrscheinlich. Die zweite: Wir sind alle einer Suggestion zum Opfer gefallen. Dafür sitzen wir hier aber nicht verwirrt genug zusammen. Bleibt die dritte, dass die Bienen entweder selbst oder über jemanden, den sie manipuliert haben, die Daten frisiert haben.“
„Paul, so plausibel das für uns klingen mag ... wer soll uns das glauben? Ich möchte nicht von Lissys Entbindung über eine Schwester in der Klapse erfahren.“
„Keine Sorge! Es gibt noch mehr Indizien für die Gefährlichkeit dieser Bienen.“
„Greg, Walker ...“
„Was denkst denn du, warum die Untersuchungen so schnell scheinbar abgebrochen wurden? Was sollten wir der Öffentlichkeit erzählen?“
„Wenn wir uns einig sind, dass diese Horror-Bienen so gefährlich sind, warum vernichten wir sie nicht einfach? Noch sind sie sicher im Treibhaus. Einmal Gift oder was auch immer und das Problem ist vom Tisch. Wir finden schon ein neues Forschungsthema ...“
„Wenn das immer so einfach wäre ...“ Paul machte eine kleine Sprechpause. „Manchmal braucht man halt erst Mörderbienen, um ein Mittel gegen Mörderbienen entwickeln zu können.“
„Aber ...“, rutschte mir raus, „ohne Mörderbienen brauchte man auch kein Mittel gegen sie ...“, da fielen mir die Bilder aus Iran ein. Von nun an schwieg ich. Wo war ich nur hin geraten! Noch immer war nicht klar, welches Spiel Paul spielte.
„Du stell dir lieber vor, was es bedeutete, wenn uns anfangs einige von denen entwischt wären und einen eigenen Staat gegründet hätten! Damals, als wir von ihrer Gefährlichkeit nichts ahnten.“
Tja Paul ... Die Frage ist nur, ob du, als ich die Tiere noch für harmlos hielt, nicht längst um ihre Gefährlichkeit wusstest ...
Solange ich dies nicht einschätzen konnte, blieb mir nur eins: „Was also schlägst du vor?“
„Im Prinzip brauchen wir ein Mittel, um die gesamte Population dieser Wesen auszurotten.“
„So weit war ich auch schon.“ Irgendwie hatte ich das Gefühl, uns lief die Zeit davon. Wir konnten ja nicht mehrere Stunden beim Essen sitzen. „Aber wie auch immer: So lange die Biester auf ihre Umgebung einwirken können, werden sie entsprechende Experimente nicht zulassen zumindest nicht an Gregs Hauptrechner.“
Über Pauls Gesicht huschte ein fieses Grinsen. „Wir werden die Arbeiten zur Vermehrung dieser Bienen sogar noch forcieren. Wir brauchen mehrere, voneinander abgeschirmte Völker in verschiedenen Treibhäusern. Nur so können wir Wege zur gezielten Vernichtung unabhängig voneinander und ohne Zufälle testen.“
In hervorragender Laune näherten wir uns unserem Treibhaus. Wir schwärmten davon, mehrere Völker schaffen zu müssen, damit die ersten versuchsweise ins Freie könnten.
Wie gut auch immer unsere Laune bis dahin gewesen sein könnte. Nun liefen wir herum wie im Sektrausch.