FN 3514 (4)

Veröffentlicht auf von anna

 

Unser Team war erst drei Wochen zusammen, da geschah jene Sensation. Sie hieß FN 3514. Unser Rechner hielt diese Kombi nicht nur für möglich. Er prophezeite phänomenale Eigenschaften. Nach Meinung des Programms bedeutete die Änderung des entsprechenden DNS-Stranges, dass eine so veränderte Biene den gegen Maiszünsler resistent gemachten Mais sogar als Honig-Basis verwenden könne. In mir schüttelte sich zwar alles bei der Vorstellung eines Mais-Honigs, aber wichtiger war ja die Resistenz gegen die Manipulation, also den Gen-Mais generell. Wenn ich mir vorstelle, dass ich damals als als perverseste Vision Maishonig ansah ...

Was wir bisher hatten, war natürlich nicht mehr als eine Computersimulation. Der lagen die Daten zugrunde, die wir vorher eingegeben hatten. Beim besten Willen war das nur ein Schema. Wir hofften inständig, es könnte dem tatsächlichen Bienengenom nahe kommen und seine Reaktionen mit der Umwelt den mathematisch vorausgesagten. Allerdings litten auch die Forschungen mit genetisch veränderten Pflanzen schon daran, dass die Simulationsprogramme die Wechselwirkungen nie in ihrer ganzen Komplexität darstellen konnten und die deshalb erforderlichen Feldversuche deshalb noch unerwartete Ergebnisse bringen konnten. Ganz abgesehen von Umweltschützern und deren Kampfmethoden. Leute wie mein Dad, der garantiert etwas gegen jede genetische Veränderung etwas gehabt hätte.

Die fehlende Angabe in meinem Dissertation war also FN 3514. An den ersten Tagen wäre mein Eifer kaum zu bremsen gewesen. Als erstes teilte ich unser Team. Greg blieb weiter am Computer. Seine alltägliche Beschäftigung war die Fortsetzung der Reihen. Nummer für Nummer Warten auf das nächste Element in unserem Periodensystem, das vielleicht auftauchen könnte, vielleicht aber auch nicht in absehbarer Zukunft. Sobald er von uns neue praktische Daten bekäme, sollte er diese Arbeit unterbrechen. Paul und Esther hockten an der Anlage. Wir nannten sie spaßhaft Petrischale, um uns einzureden, wir arbeiteten an biologischem Material. Dabei saßen die beiden vorm Großbildschirm eines Hochleistungscomputers, der laienhaft ausgedrückt Schlüssellochchirurgie am tatsächlichen genetischen Material unserer Ausgangsbienen betrieb. Wenn Kollege Computer behauptete, die Veränderung wäre vollzogen, hieß es für uns warten.

Lissy gönnte ich das zweifelhafte Vergnügen, die toten Bienen zu sezieren und Greg mit Informationen zu beliefern, was wahrscheinlich alles schiefgelaufen sein könnte. Ich gebe zu, nicht ohne mehr als ein eifersüchtiges Auge auf die Begegnung der beiden zu werfen.

 

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