Gerhardts Zeit (4)

Veröffentlicht auf von anna

Oh, nein, Herr Doktor, seit ich mit meiner Großen allein lebe, habe ich wirklich keinen Stengel mehr angerührt.„

Doktor Tarbak sah kurz von seinen Notizen auf. Nur mit den Augen sagte er, gut, gut, glauben wir, versuchen wir es also weiter mit Hausmitteln. Mit einer Büroklammer verband er einen unleserlichen Zettel mit dem Rezeptblatt, das er blanko unterschrieb.

Im selben Augenblick hatte Gerhard in die Seitentasche gegriffen und auf einen Knopf gedrückt. Augenblicklich verstummten alle Geräusche, und der Arzt erstarrte zu einem Denkmal längst ausgestorbener Medizinergenerationen.

Erst hält auch der Patient den Atem an. Dann holt er die „Sprayflasche„ aus der Tasche, richtet sie auf den Arzt und murmelt: „Sie werden heute alle Ihre Depots auflösen, und das Bargeld auf dieses Konto überweisen. Schon in drei Monaten bekommen Sie den doppelten Betrag zurück.„

Er steckt die „Flasche„ wieder ein, drückt erneut auf den Zeitknopf und der Rest seines Arztbesuches verging ohne Zwischenfälle.

Am übernächsten Morgen hustete er auf dem Heimweg vom Kontoauszugsdrucker nicht mehr.

Gerhard Gluck konnte sein Rückzahlungsversprechen nicht einhalten. Während der Beerdigungsfeier für den Arzt brachen die Trauergäste für einen kurzen Moment in ein unkontrolliertes Lachen aus ...

 

Jeder der folgenden Vormittage verlief gleich: Kaum waren Marias Schritte auf der Treppe verklungen, stürzte Gerhard an seine Technik. Er stellte den übernächsten Vormittag ein und rannte die Treppe hinunter zum Briefkasten.

Manchmal war die Zeitung noch nicht darin. Beim nächsten Versuch hatte er sie schon geholt. Doch wenn er sie in den Händen hielt, schlug er schnell die entscheidende Seite auf und prägte sich den Namen des absoluten Siegers ein. Dann eilte er in die Gegenwart zurück, um rechtzeitig am Bankschalter zu stehen. Eine Woche später gab er die Tagesorder seinem persönlichen Berater mit Kennwort per Telefon durch. Nach einem Monat stellte er alle Spekulationen ein. Er hielt sich jetzt für reich genug.

Sofort rief ihn sein Bankberater an.

Nein, ich will mein Geld nicht mehr riskieren, woher soll ich denn wissen, welche Aktien künftig erfolgreich sind?„ grinste Gerhard in den Hörer.

Weil die Stimme seines Beraters nach dieser Antwort am Telefon so tief enttäuscht klang, ließ er sich persönlich in der Zweigstelle sehen. Er hielt die Zeit an und verlangte mit der Sprayflasche von den Bankmitarbeitern, ihm - entgegen ihren Gewohnheiten - ehrlich zu antworten. Da gaben sie zu, daß sie inzwischen alle ihre persönlichen Mittel zum Spekulieren auf die von ihm jeweils favorisierten Titel verwendet hatten.

Wenige Wochen später wurde die Filiale überraschend geschlossen. Alle Angestellten quittierten ihre Kündigung mit absolut unpassendem Gelächter ...

 

ff

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O
<br /> Eine sehr interessante Kurzgeschichte!<br /> War sehr kurzweilig!<br /> <br /> <br />
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