Gerhardts Zeit (5)

Veröffentlicht auf von anna

Anfangs hatte Gerhard in den S-Bahnen Obdachlosenzeitungen gekauft, hatte zugehört, wenn ihm jemand sein Leid klagte und still zu helfen versucht. Dann hatte er auf der Rückseite des „Handys„ ein kleines Display entdeckt. Die dort angezeigte Zahl begann anfangs mit 35 und wurde immer kleiner. Als dort schließlich 22 ... stand, erkannte er darin den Countdown seiner Lebensjahre. Er begann die „suffköppigen Penner„ fluchend fortzuscheuchen.

Was ich besitze, habe ich ehrlich bezahlt.„

Allein Maria konnte er nichts abschlagen. „Du erbst ja sowieso, was ich selbst nicht verbrauchen kann. Da kann ich es dir auch gleich schenken.„

Dem Mädchen war die Verwandlung des Vaters unheimlich. Woher nur stammte der plötzliche Reichtum? Warum sollte sie sich nun leisten, was sie sich vorher hatte versagen müssen? Sie lief am liebsten in den T-Shirts von früher herum.

Gerhard schickte sie zu einem Sommercamp nach England. Sie sollte etwas Neues kennenlernen und ihre Sprachkenntnisse verbessern. Kaum war sie weg, fühlte er sich einsam. Nicht, daß er mit einem anderen Menschen als Maria dauerhaft zusammen leben wollte. Bloß das nicht! Aber Frauen hatten wenigstens äußerlich etwas an sich, was er brauchte, um sich jung zu fühlen.

Er hatte alles an Adressen durchprobiert. Für die schnelle Nummer, die ungewöhnliche Nummer, für die ausgiebige und für die russische Entspannungsmassage, für Französisch, Spanisch und Thai - alles, was herumgeworfene Hunderter hergaben. Allein schon der Gedanke, was diese „Damen„ sich vielleicht nachher über ihn erzählten, bremste mitunter die Entfaltung seiner körperlichen und seelischen Männlichkeit. Er hatte Sex gekauft, aber die ganzen Frauen haben wollen mit dem Gefühl der vollkommenen Macht über alles zwischen den Härchen an den Schenkeln und den Haaren auf dem Kopf. Er wollte unbedingte Unterwerfung. Und er wollte durch das Gesicht des ihm zur Verfügung stehenden Weibes nicht daran erinnert werden, daß er dem Ende seines Lebens entgegeneilte. Nicht seinem Geld sollten sie sich unterwerfen, sondern ihm. Ihn anbeten, wenn er kam und wenn es ihm kam.

Er hätte ein Casting veranstalten können zu einen Film, für den er angeblich Hauptdarstellerinnen suchte. Die vor ihm mehr als das Haupt darzustellen hatten. Aber unschuldig-naive Bewerberinnen fände er dabei nicht. Die mußte er anderswo jagen. Er probierte es am Strand für Badeanzugträgerinnen.

Mehrere Tage umschiffte er einen Sonnenbrand, bis zwei passende Mädchen mit Fahrrädern zur Badestelle kamen. Die zogen sich nicht unbekümmert locker um, sondern gehüllt in eine Decke. Aus diesem „Zelt„ kamen sie erst in Bikinis wieder hervor. Damit fielen sie aus dem Rahmen. Beide hatten schulterlange Haare, waren brünett und für ihre schätzungsweise sechzehn Jahre sehr weiblich. Obwohl die Kleinere eine Brille trug, schien sie Gerhard die hübschere zu sein.

Sie hatte ihn bemerkt, verstohlen zu ihm hingesehen, dann gekichert, ihrer Freundin etwas zugeflüstert, und die hatte dann auch zu ihm herübergesehen und ebenfalls gekichert. Gerhard Gluck dachte an seine ersten grauen Haare. Mit einem Knopfdruck beendete er alle Regungen am Strand.


ff

 

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G
<br /> Beide hatten schulterlange dunkelblonde Haare, waren brünett ...<br /> <br /> *grins* ... So ist das, wenn man(n) sich nicht richtig entscheiden kann :o))<br /> <br /> <br />
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